Gruppe H – Belgien marschiert – Der große WM-Check

Mit der Gruppe H startet heuten die letzten vier Teams in die Fußball-Weltmeisterschaft. Böse Zungen behaupten, die mit Russland, Belgien, Südkorea und Algerien besetzte Gruppe zählt zu den schwächsten bei dieser WM. Doch gerade Belgien wartet am Zuckerhut mit einem starken Kader auf. Im Auftaktspiel heute Abend (18 Uhr, MEZ) muss sich Algerien mit dem Favoriten der Gruppe H auseinandersetzen. Um 0 Uhr treffen Russland und Südkorea aufeinander.

Im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften bei dieser Weltmeisterschaft ist Belgien seit Jahren für seine starke Defensive bekannt. Angeführt von Vincent Kompany, einer der besten Innenverteidiger der Welt, ist die Defensivreihe dank Thibaut Courtois auch mit einem exzellenten Keeper bestückt. Mit seinen Paraden hatte Courtois maßgeblichen Anteil an der überragenden Saison von Athletico Madrid. Kein Wunder, dass Chelsea-Trainer José Mourinho den an die Madrilenen ausgeliehenen 22-Jährigen nach der WM zurückhaben will. Neben Kompany dürfte Thomas Vermaelen vom FC Arsenal London gesetzt sein. Mit Jan Vertonghen (Tottenham Hotspur) und Nicolas Lombaerts von Zenit St. Petersburg stehen dem Ex-Schalker und jetztigen Chefcoach Marc Wilmots weitere starke Alternativen zur Verfügung.

Dass sich die Belgier für die vergangenen zwei Weltmeisterschaften nicht qualifizierten, lag auch an den mangelnden Optionen in der Offensive. Das ist in Brasilien anders. So hat Wilmots einige talentierte Offensivkräfte in seinem Team, unter anderem Romelo Lukaku. Für den FC Everton markierte er in der abgelaufenen Saison 15 Tore und legte acht Treffer auf. Mit ähnlich viel Potenzial ist Eden Hazard ausgestattet. Der schnelle Flügelspieler schoss für den FC Chelsea 14 Tore und bereitete neun Treffer vor. Mit Adrian Januzaj haben die Belgier zudem einen der jüngsten Spieler bei dieser WM in ihren Reihen. Der gerade einmal 19-jährige Angreifer von Manchester United gilt im europäischen Fußball als eines der größten Talente. Mit dieser Qualität ausgestattet, ist Belgien Topfavorit auf Platz eins in der Gruppe H.

Die augenscheinlich größten Chancen auf das zweite Achtelfinalticket hat Russland. Vier Jahre vor der eigenen Heim-WM wollen die Russen in Brasilien den Grundstein für die Titel-Mission in im Heimatland legen. Trainer Fabio Capello ist der eigentliche Star des Teams. Kein Wunder, immerhin nominierte der erfolgsverwöhnte Italiener ausschließlich Spieler, die in Russland aktiv sind. Zwar fehlen damit große, international bekannte Namen, doch einen Vorteil hat die „heimatverbundene“ Nominierung Capellos: Da in Russland die Winterpause von Mitte Dezember bis Mitte März andauert, dürfte seine Elf topfit ins Turnier starten. In Brasilien mit dabei ist auch Alan Dsagojew. Der mittlerweile 24-jährige Mittelfeldspieler  galt noch vor ein paar Jahren als eines der größten Talente Europas. Doch der als schwierig geltende Edel-Techniker konnte sein Potenzial nie richtig ausschöpfen, zeigte immer wieder schwankende Leistungen und spielt seit nunmehr sechs Jahren für ZSKA Moskau. Eine Art Lebensversicherung im Sturm ist indes Alexandr Kokorin von Dynamo Moskau. Der 23-Jährige, dessen Marktwert mittlerweile auf 18 Millionen geschätzt wird, hatte mit vier Treffern großen Anteil an der WM-Qualifikation und wird in Brasilien mit Sicherheit von einigen europäischen Scouts beobachtet.

Das Achtelfinale ist dank eines homogenen Mannschaftsgefüges, aus dem kaum Namen herausragen, möglich.

Im krassen Gegensatz zur russischen Kader-Zusammenstellung steht das Aufgebot der Süd-Koreaner. Gleich 17 Legionäre hat Chefcoach Hong Myung-Bo für die Weltmeisterschaft nominiert. Darunter sind mit Angreifer Heung-Min Son (Bayer Leverkusen) und den in der Winterpause zum FSV Mainz gewechselten Koo Ja-Cheol auch zwei bekannte Spieler aus der Bundesliga vertreten. Borussen-Coach Jürgen Klopp wird ein besonderes Auge auf Dong-Won Ji (FC Augsburg) haben. Der Angreifer wechselt im Sommer nach Dortmund. Ebenfalls aus der Bundesliga mit dabei: Joo-Ho Park (FSV Mainz) und Jeong-Ho Hong (FC Augsburg).

Nach einer durchwachsenen Qualifikation, in der am Ende nur das bessere Torverhältnis den Süd-Koreanern das Weiterkommen sicherte, werden es Son und Co. in Brasilien schwer haben. Die Qualität, um das Achtelfinale zu erreichen, ist jedoch allemal vorhanden.

Eine Formulierung, die in Hinblick auf Algerien surreal daherkommt. Wenngleich die bisherigen Vorrundenspiele bereits einige Überraschungen parat hielten, wird es Algerien schwer haben, sich in der Gruppe H zu behaupten. Als mit einem knappen 1:0-Sieg im Rückspiel der Play-Offs gegen Burkina Faso das WM-Ticket gelöst wurde, konnte vor allem Algeriens Trainer, Vahid Halilhodzic, sein Glück kaum fassen. Vor vier Jahren realisierte er mit der Elfenbeinküste ebenfalls die WM-Teilnahme, wurde kurz vor dem Turnier jedoch entlassen. Die Algerier verteilen sich auf zahlreiche kleinere europäische Vereine. Mittelfeldspieler Sofiane Feghouli vom FC Valencia ist der prominenteste Spieler in Reihen der Nordafrikaner. In der Primera Division glänzte der 24-Jährige in der vergangenen Saison mit zehn Torvorlagen. Seine individuelle Klasse wird jedoch gegen die anderen Teams nicht ausreichen.

Prognose in der Gruppe H

Belgien qualifiziert sich souverän für das Achtelfinale. Südkorea sorgt für die Überraschung und verweist Russland auf Rang drei.

Von Maria Kurth

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