Gruppe E – Favoriten versus Exoten – Der große WM-Check

Rein vom Papier her sind die Fronten in der Gruppe E geklärt: Frankreich und die Schweiz marschieren ins Achtelfinale, während Ecuador und Honduras nur die Statistenrolle bleibt. Im ersten Gruppenspiel treffen heute (18 Uhr, MEZ) Ecuador und die Schweiz aufeinander. Für die Franzosen wird es um 21 Uhr im ersten Gruppenspiel gegen Honduras vor allem darum gehen, das nötige Selbstvertrauen für die kommenden Spiele zu tanken. Die Schmach von vor vier Jahren soll dann auch endlich ad acta gelegt werden.

Die französische Sportministerin Roselyne Bachelot sprach von einem „Trümmerfeld“ und eine ganze Nation schämte sich für ihr Nationalteam. Angeführt von Nicolas Anelka, der in der Halbzeitpause des Mexiko-Spiels Frankreichs Nationalcoach Raymond Domenech verbal attackierte, boykottierte ein Teil der L’Équipe tricolore bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika im Anschluss das Training vor dem letzten Gruppenspiel. Der Eklat wurde öffentlich und Frankreichs Nationalelf zur allgemeinen Lachnummer. Die Quittung: Mit einem Punkt schieden die Franzosen als Gruppenletzter bereits in der Vorrunde aus.

Doch mittlerweile sind vier Jahre vergangen und mit Patrice Evra, Hugo Lloris, Bacary Sagn und Mathieu Valbuena sind nur noch vier Spieler der Skandal-Mannschaft von 2010 dabei. Zwar verfielen die Franzosen nach dem Bekanntwerden des WM-Aus von Franck Ribery (Rückenprobleme) in eine kurze Schockstarre. Doch der Kader ist breit genug aufgestellt, um den Münchener zu ersetzen. Im Angriff ruhen die Hoffnungen auf Karim Benzema vom Champions League-Sieger Real Madrid. Einen weiteren Stürmer mit Weltklasseformat hat Coach Didier Deschamps in Person von Olivier Giroud (FC Arsenal). Der 27-Jährige zeichnete sich in der abgelaufenen Premier League-Saison für 16 Tore und neun Torvorlagen verantwortlich.

Insgesamt hat Deschamps Spieler aus zahlreichen europäischen Topvereinen in seinem Kader. So wird mit Paul Pogba einer der tragenden Säulen des italienischen Meisters Juventus Turin die Regie im Mittelfeld führen. Mit gerade einmal 21 Jahren gehört der beidfüßige Mittelfeldspieler im europäischen Fußball zu den Entdeckungen der abgelaufenen Saison. In der Abwehr haben die Franzosen mit den routinierten Evra und Mathieu Debuchy (FC Liverpool) zwei offensivstarke Außenverteidiger in ihren Reihen. Komplettiert wird die Defensivreihe durch die jungen Mamadou Sakho (FC Liverpool) und Raphael Varane (Real Madrid). Werden die jungen Spieler auf den zentralen Positionen den Erwartungen gerecht, kann Frankreich – vorausgesetzt ein erneuter Boykott bleibt aus – bei dieser WM weit kommen.

Augenscheinlich wird es mit der Schweiz nur ein Team in dieser Gruppe geben, das den Franzosen gefährlich werden kann. Gleich neun Bundesligaspieler nominierte Ottmar Hitzfeld in seinen 23-köpfigen Kader. Neben Xherdan Shaqiri von Bayern München, der im Mittelfeld für viel Offensivdrang sorgt, könnte es auch die WM von Josip Drmic werden. Der Stürmer spielte sich im Trikot des 1. FC Nürnberg in der vergangenen Saison in den Blickpunkt zahlreicher Topklubs und wird zur neuen Saison für Bayer Leverkusen auf Torejagd gehen. Eine ähnlich starke Saison spielte Wolfsburgs Außenverteidiger Ricardo Rodriguez. Die Lebensversicherung des SC Freiburg in der abgelaufenen Saison ist in Person von Admir Mehmedi ebenfalls Teil des Schweizer Teams. Hitzfeld setzt in Brasilien auf zahlreiche talentierte Spieler, die ihre Klasse auf der großen internationalen Bühne unter Beweis stellen wollen. Kommt zum Talent auch die nötige Abgeklärtheit dazu, übersteht die Schweiz souverän die Gruppenphase.

Ein Einzug ins Achtelfinale wäre sowohl für Ecuador als auch für Honduras ein großer Erfolg. Die Südamerikaner haben mit Antonio Valencia von Manchester United genau einen Star in ihren Reihen. Auf 29 Einsätze brachte es der 28-Jährige in der abgelaufenen Premier League-Saison. Einen Star sucht man in Honduras Nationalelf vergebens. Die bekanntesten Namen sind mit Wilson Palacios und            Emilio Izaguirre zwei erfahrene Spieler von Stoke City und Celtic Glasgow.

Prognose

Die junge Elf aus der Schweiz wird in Gruppe E groß aufspielen und sich vor Frankreich durchsetzen. Für Ecuador und Honduras bleibt das Achtelfinale ein Traum.

Von Maria Kurth

[ssba]