Gruppe B: England, Russland, Slowakei und Wales

Großbritannien gegen Osteuropa. Doch ganz so einfach lässt sich die Gruppe B nicht klassifizieren. Jedes Land spielt für sich und nach dem Sieg der Slowaken gegen Deutschland, sollte man den Fußballzwerg mal genauer unter die Lupe nehmen.

England:

Die Three Lions wollen die schwachen Turnierergebnisse der letzten Jahre unbedingt korrigieren. Das nötige Spielermaterial hat Trainer Roy Hodgens in jedem Fall. Dies zeigte bereits der Testspielsieg gegen die deutsche Nationalmannschaft. Mit Jamie Vardy (Leicester City), dem Torschützenkönig der Premier-League Harry Kane (Tottenham Hotspur) und dem 18-jährigen Senkrechtstarter Marcus Rashford (Manchester United) verfügen die Briten über Stürmer, die sich momentan auf einem Leistungshoch befinden. Top-Talent Dele Alli (Tottenham Hotspur) wird sicher auf sich aufmerksam machen können. Schwachpunkt der Briten ist ihre Defensive, die mit Kyle Walker, Gary Cahill und Chris Smalling allenfalls ins europäische Mittelmaß einzustufen ist. Doch gegen diese Gruppengegner sollte die hervorragend besetzte Offensive zum Weiterkommen ausreichen. Ein Highlight ist sicherlich das Spiel gegen Nachbar Wales, welches die Lions auf keinen Fall verlieren wollen. Das verspricht einen spannenden Fight.

Russland:

Die Sbornaja durchlebt schwere Zeiten. In den letzten großen Turnieren schieden die Russen früh aus. Nur zwei Jahre vor der Heim WM 2018 steht die Nationalelf vor einer Herkulesaufgabe. Der Kader für die Europameisterschaft 2016 besteht aus nur einem Legionär. Dieser ist Roman Neustädter (Schalke 04), kurz vor der EM noch eingebürgert, steht als einziger Spieler nicht in der heimischen russischen Liga unter Vertrag. Die russische Premier-Liga steht nicht für hochklassigen Fußball, das wirkt sich auch auf das Spiel der Nationalelf aus. Ein hoher Altersschnitt ohne junge, vielversprechende Talente und eine überschaubare spielerische Qualität. Trainer Slutski kann daher auf nur wenige Topstars zurückgreifen. Zu denen gehören Aleksandr Kokorin und Oleg Shatov (beide Zenit St. Petersburg). Mit Alan Dzagoez fällt der bekannteste Kicker der Russen mit einem Mittelfußbruch aus. Ein frühzeitiges Ausscheiden, womöglich bereits in der Gruppenphase, käme auch in dieser Endrunde nicht sonderlich überraschend.

Slowakei:

Der Fußballzwerg bezwang vor einigen Tagen im Testpiel überraschend die deutsche Nationalmannschaft mit 3:1. Jeder sollte von nun an gewarnt sein, diese Truppe nicht zu sehr zu unterschätzen. Mit Marek Hamsik (SSC Neapel), Juraj Kucka (AC Mailand) und Martin Skrtel (FC Liverpool) verfügen die Slowaken über international erfahrene Akteure. Peter Pekarik (Hertha BSC) und Dusan Svento (1. FC Köln) verdienen ihr Geld in der Bundesliga, sind allerdings keine Stammspieler. Ansonsten besteht die Mannschaft aus eher unbekannten Spielern. Doch nicht umsonst setzten sie sich in der Qualifikation gegen starke Gegner durch. Die Mannschaft von Trainer Jan Kozak hat das Zeug um die Russen zu schlagen und auch den Walisern auf dem Weg in die KO-Phase ein Bein zu stellen. England ist allerdings eine Nummer zu groß.

Wales:

Nach 58 Jahren Durststrecke steht für die Mannschaft um Superstar Gareth Bale wieder ein großes Turnier vor der Tür. Alle Hoffnungen ruhen auf dem 94 Millionen Euro Mann von Real Madrid. Er ist Kapitän und soll die Mannschaft in die KO-Phase führen. Neben diesem Ausnahmespieler gehören Aron Ramsey (Arsenal London) und Joe Allen (FC Liverpool) zu den Schlüsselspielern. Trainer Coleman hat ein zweikampfstarkes Team geformt, das mit viel Einsatz und Leidenschaft in der Qualifikation so manchen Gegner überrascht hat. Viel hängt von Gareth Bale ab. Kommt er rechtzeitig zur EM in eine gute Form, so kann sich Wales berechtigte Hoffnungen auf den 2. Platz machen.

Gruppentabelle B
Tipp:

  1. England
  2. Wales
  3. Russland
  4. Slowakei

 

Von Jan Jüttner

Foto: Moritz Muschik

[ssba]