Gruppe A – Hält Brasilien dem Druck stand? – Der große WM-Check

Für alle Fußball-Fans dieser Welt hat das lange Warten heute endlich ein Ende: Mit dem ersten Gruppenspiel zwischen Brasilien und Kroatien fällt um 22 Uhr (MEZ) der Startschuss zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. 32 Teams kämpfen in den kommenden vier Wochen um die wichtigste Trophäe für Fußball-Nationalmannschaften – Favoriten und Underdogs inbegriffen. Grund genug, um die teilnehmenden Teams einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Heute: Die Gruppe A mit Brasilien, Kroatien, Kamerun und Mexiko.

Für die Scolari-Elf zählt nur der Titel

Ohne Frage: Brasilien ist als Gastgeberland einer der Top-Favoriten auf den WM-Titel. Die Erwartungen bei den fußballverrückten Anhängern sind hoch. Für die „Seleção“ steht beim Heimturnier vor allem Wiedergutmachung auf dem Programm – im doppelten Sinne: So war bei den letzten beiden WM-Turnieren jeweils im Viertelfinale Endstation. Zudem soll mit dem auserkorenen Ziel, die WM-Trophäe im eigenen Land zu behalten, auch eine nunmehr 64 Jahre alte Niederlage endgültig an acta gelegt werden. Letztmalig fand 1950 eine Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien statt. In der damals noch ausgetragenen Finalrunde sah die „Seleção“ bereits wie der neue Weltmeister aus. Doch im entscheidenden Spiel setzte es eine 1:2-Pleite gegen Weltmeister Uruguay. Eine Niederlage, die bis heute als eine der schmerzhaftesten Niederlagen im brasilianischen Fußball gilt.

Chefcoach Luiz Felipe Scolari, der die „Seleção“ bereits 2002 zum WM-Titel führte, stehen traditionsgemäß auch bei dieser WM zahlreiche Weltstars zur Verfügung. Angeführt von Kapitän und Abwehrchef Thiago Silva (Paris St. Germain), hat vor allem die Defensive der „Seleção“ mit Dante (Bayern München), David Luiz (FC Chelsea), Dania Alves (FC Barcelona) und weiteren europäischen Top-Spielern das Potenzial zum Titelgaranten. In der Offensive ruhen die Hoffnungen auf Weltstar Neymar. Für das Ausnahmetalent in Diensten des FC Barcelona könnte die Heim-WM zur großen internationalen Bühne werden. Der Zweitjüngste im Kader verdiente sich bereits im letzten Jahr beim Gewinn des Konförderationen-Pokals mit vier Treffern die Auszeichnung zum besten Spieler des Turniers. Ob der Jungstar den Druck bei seiner ersten WM-Teilnahme im Männerbereich standhält, bleibt abzuwarten. Denn auch die „Seleção“ samt der geballten Offensivkraft hat ihre Schwächen. Das offenbarte der letzte Test gegen Serbien, als ein magerer 1:0-Sieg heraussprang. Steht der Gegner tief, haben Neymar und Co. Probleme ihr schnelles Kombinationsspiel aufzuziehen und sind auf Grund ihrer insgesamt offensiven Ausrichtung anfällig für Konter.

Ein Defizit, das sich Kroatien heute Abend zunutze machen möchte. Die Mittel dafür stehen Nico und Robert Kovac als Trainer-Duo zur Verfügung. So können die Kroaten mit dem Ex-Schalker Ivan Rakitic (jetzt FC Sevilla) und Luka Modric von Champions-League-Sieger Real Madrid im Mittelfeld auf zwei technisch versierte Spielmacher zurückgreifen. Mit Mario Mandzukic (Bayern München), Ivan Perisic, Routinier Ivica Olic (beide VfL Wolfsburg) sowie dem nachnominierten Milan Badelj vom Hamburger SV stehen vier Bundesliga-Profis im Kader der Kroaten. Angeführt von Kapitän Darijo Srna, hat die Kovac-Elf nach Topfavorit Brasilien die größten Chancen, das Achtelfinale zu erreichen.

Die Underdog-Rolle teilen sich in Gruppe A indes Kamerun und Mexiko. Für beide Teams zählt im direkten Aufeinandertreffen am Freitag (18 Uhr) nur ein Sieg, wollen sich beide Auswahlen die Minimalchance auf ein Weiterkommen wahren. Vor allem in Reihen der Afrikaner verlief die WM-Vorbereitung alles andere als optimal. Weil die Spieler für das Erreichen der WM-Endrunde rund  180000 Euro verlangten, von der Regierung aber nur knapp 70000 Euro angeboten bekamen, verweigerte die Elf am Sonntag zunächst die Abreise nach Brasilien. Erst nach erneuten Verhandlungen konnten sich Kameruns Trainer Volker Finke und seine Mannen auf den Weg nach Brasilien machen. Dass die Afrikaner nicht nur neben, sondern auch dem Platz nicht kleinbei  geben werden, zeigte das vorletzte Testspiel gegen die Deutsche Nationalmannschaft (2:2). Rufen die Kameruner mit der robusten Spielweise und dem schnellen Umschaltspiel im Mittelfeld ihre Stärken ab, dürften Samuel Eto’o und Co. zumindest eine bessere Rolle als bei der letzten Weltmeisterschaft spielen. In Südafrika schieden die Afrikaner sang- und klanglos ohne Punktgewinn bereits in der Gruppenphase aus. In Brasilien mit dabei: Eric Maxim Choupo-Moting vom FSV Mainz und der Schalker Joel Matip.

Die ganz großen Namen sucht man auch in Reihen der Mexikaner vergebens. Einzige Ausnahme: Javier Hernandez von Manchester United. „Chicharito“, wie Hernandez genannt wird, kommt in der Premier League nicht über die Rolle des Edel-Jokers hinaus. Zwar ist der Stürmer noch bis 2016 vertraglich in Manchester gebunden, könnte bei einer entsprechenden Ablösesumme jedoch die Freigabe zum Wechsel erhalten. Im Angriff trumpfte zuletzt auch Oribe Peralta auf. Mit seinen fünf Toren in den Playoff-Spielen gegen Neuseeland (5:1, 4:2) hatte der 30-Jährige maßgeblichen Anteil am Erreichen der WM-Endrunde. Trotz der alles andere als souveränen Qualifikationsphase gibt sich Mexikos Trainer, Miguel Herrera, selbstbewusst. Er sprach zuletzt sogar vom Erreichen des Endspiels. Eine Prognose, die ohne Zweifel als waghalsig bezeichnet werden darf.

Prognose

Brasilien setzt sich als Gruppenerster durch, während Kroatien und Kamerun den zweiten Platz und damit den Achtelfinaleinzug unter sich ausmachen.

Von Maria Kurth

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