Gruppe A: Frankreich, Albanien, Schweiz und Rumänien

Zwei absolute Underdogs treffen auf zwei Teams, die über internationale Spitzenspieler verfügen. Die Rollen scheinen klar verteilt zu sein, doch unterschätzen sollte man die Balkanzwerge nicht.

Frankreich: Die gastgebenden Franzosen sind der absolute Gruppenfavorit. Geschieht nicht ein mittelschweres Wunder, wird die Equipe Tricólóre als Tabellenerster in die KO-Phase einziehen. Auch ohne die Ausnahmekicker Ribery und Benzema, von denen letzterer anlässlich eines laufenden Gerichtsverfahrens wegen Erpressung seines ehemaligen Mannschaftskollegen Mathieu Valbuena (ebenfalls nicht berücksichtigt) nicht dabei ist, hat die Truppe von Trainer Didier Deschamps genug Qualität, um letztendlich auch den Titel zu holen. Die Offensive ist mit den Flügelspielern Antoine Griezmann (Atletico Madrid), Anthony Martial (Manchester United) und Kingsley Coman (FC Bayern) hochklassig besetzt. Noch dazu glänzte Dimitry Payet (West Ham United) in der abgelaufenen Premier-League Saison mit zahlreichen direkten Freistoßtoren. Auch das Mittelfeld gehört mit Ngolo Kanté vom englischen Überraschungsmeister Leicester City, Blaise Matuidi (Paris Saint-Germain) oder dem Ausnahmespieler Paul Pogba (Juventus Turin) zur europäischen Spitzenklasse. Einzig die Defensive könnte dem Europameister aus dem Jahr 2000 Probleme bereiten. Mit Jeremy Mathieu, Aymeric Laporte und Raphael Varane fallen wichtige Stützen für das große Turnier verletzungsbedingt aus. Dies könnte den Gastgebern spätestens im Viertelfinale gegen größere Kaliber zum Verhängnis werden.

Schweiz: Die Jahre in denen die Eidgenossen als Turnieraußenseiter galten sind vorbei. Einer der Gründe ist die Talentschmiede des FC Basel. Ob Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka, Fabian Frei oder Keeper Yann Sommer, sie alle zog es früher oder später zu einem größeren Klub. Die 19-jährige Sturmhoffnung Breel Donald Embolo kickt jedoch noch für seinen Heimatverein. Er könnte einer der Shootingstars dieser EM werden. Ein großer Teil der Mannschaft spielt in der deutschen Bundesliga, absolviert also Woche für Woche Spiele auf einem hohen Niveau. Die Defensive verfügt mit Lichtsteiner (Juventus Turin), Ricardo Rodriguez (VFL Wolfsburg) und Fabian Schär (TSG Hoffenheim) über ausreichend Qualität, um in die KO-Phase einzuziehen. Im Mittelfeld zieht Superstar Granit Xhaka die Fäden. Der Leader wechselte kürzlich für knapp 45 Millionen Euro von Gladbach zum FC Arsenal. Er verfügt ebenso über internationale Erfahrung wie der Ex-Münchner Xherdan Shaqiri oder Admir Mehmedi von Bayer Leverkusen. Kann die Elf von Trainer Petkovic ihr Potenzial vollständig abrufen, wird die Schweiz ohne größere Probleme in die Gruppenphase einziehen.

Albanien: Für den Balkanstaat ist allein die Teilnahme an der EM-Endrunde schon ein riesiger Erfolg. Denn sie sind zum ersten Mal bei einem großen Turnier dabei. Die Mannschaft besteht zum größten Teil aus unbekannten Spielern, die in Teams spielen, die nur echten Fußballexperten ein Begriff sein dürften. Das Team agiert im Kollektiv sehr geschlossen und diszipliniert und kommt so auch ohne die ganz großen Einzelkönner aus. Innenverteidiger Mergim Mavraj (1. FC Köln) und Amir Abrashi vom SC Freiburg sind die einzigen Bundesliga-Legionäre im Team. Aufgrund der spielerischen Unterlegenheit gegenüber Frankreich und der Schweiz wird Albanien wohl darauf spekulieren, als einer der punktbesten Drittplatzierten in die KO-Phase einzuziehen. Zuzutrauen wäre es den Männern von Nationalcoach Gianni De Biasi allemal.

Rumänien: Das Prunkstück der Rumänen ist ihre Defensive. Lediglich zwei Tore ließ die Mannschaft in der Qualifikationsphase zu. Verteidiger Vlad Chiriches (SSC Neapel) ist der Star im Team von Trainer Angehl Iordanescu. Ansonsten zählen eher unbekannte Spieler zum Aufgebot. Die Offensive ist die größte Baustelle im Team. Denn es fehlt einfach an der nötigen spielerischen Klasse. Da ist die Ausbootung von Stuttgarts Spielmacher Alexandru Maxim eine echte Überraschung, ist er doch der Spieler mit der größten offensiven Qualität. Vor allem das Spiel gegen die Albaner wird für die Rumänen richtungsweisend sein, um sich den Gruppenplatz 3 zu sichern. Denn um viel mehr wird es für den Fußballzwerg nicht gehen.

Gruppentabelle A
Tipp:

  1. Frankreich
  2. Schweiz
  3. Albanien
  4. Rumänien

Von Jan Jüttner

[ssba]