Gleichberichtigung im Fußball? Ein Beruf, zwei Dimensionen

Es ist ein Diskurs der sich in unserer Gesellschaft hartnäckig hält: Die Gleichberichtigung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt. Exemplarisch dafür steht der beliebteste Sport der Welt. Im Fußball sind die Unterschiede zwischen den Gehältern die Profi-Fußballerinnen in Relation zu den Herren erhalten, deutlich zu erkennen. 

Enormer Trainingsaufwand, verantwortungsbewusster Lebensstil, mediale Präsenz und Leistungsdruck – das sind Charakteristika, die ein Leben als Profisportler oder Profisportlerin mit sich bringen. Legen wir dabei den Fokus auf den Fußball, stellen wir fest, dass auch hier für die gleiche Arbeit nicht dasselbe Gehalt gezahlt wird.

In einem Bericht aus dem Jahr 2011 hat Spiegel Online das Salär von deutschen Nationalspielern mit denen der deutschen Nationalspielerinnen verglichen. Birgit Prinz beendete ihre Karriere im eben diesem Jahr. Sie wurde drei Mal zur Weltfußballerin gewählt, acht Mal zur besten Fußballerin in Deutschland. Sie galt als Gesicht des Frauen-Fußballs, ein Name, den vermutlich jeder und jede Interessierte mal aufgeschnappt hat. Mit dieser Vita stieg sie zur bestbezahltesten Akteurin der Nationalmannschaft auf – 130.000 Euro soll sie im Jahre 2010 verdient haben, so schätzt es das Online-Medium. Im Positionsvergleich: Miroslav Klose, seit 2014 WM-Rekordtorschütze, zuvor für etliche Top-Klubs auf erfolgreicher Torejagd, verdiente im gleichen Zeitraum ungefähr sieben Millionen Euro.

Sein Mannschaftskollege Bastian Schweinsteiger, damals noch im zarten Alter von 26 Jahren, war der Bestverdiener der Herrenriege. 13,2 Millionen verdiente er beim Einsatz seiner fußballerischen Raffinesse für den FC Bayern und den Deutschen Fußball Bund – Werbeeinnahmen inklusive. Hier wurde auch der Positionsvergleich bemüht. Kurz und knapp: Kim Kulig bekleidete zu dem Zeitpunkt auch die linke Außenbahn und verdiente zu jener Zeit geschätzte 60.000 Euro.

Das sind Zahlen, die mittlerweile sieben Jahre alt sind. Gegenwärtig gehen gerade bei den Männern astronomische Summen über den Tisch. Miroslav Klose hat seine Karriere beendet, Schweinsteiger wird es bald tun. Doch die Differenzen haben weiterhin bestand. Wieso eigentlich?

Der mediale Rummel trägt einen riesigen Teil dazu bei. Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring, TV-Rechte – nein, das kommt in der weiblich betuchten Branche nicht in solchen Ausmaßen vor. Die Nachfrage nach dem männlichen Fußball ist enorm: Der Sport ist unlängst zum Unterhaltungsdienstleister mutiert. Und so kommt es, dass der männliche Leistungssportler sein ursprüngliches Hobby fürstlich bezahlt bekommt, während es die Frauen nach wie vor als solches werten müssen. Angesichts eines durchschnittlichen Verdienstes von 800 Euro monatlich, müssen Frauen neben ihrer zeitintensiven Leidenschaft eine Ausbildung absolvieren, studieren oder arbeiten. Zum Vergleich: Ein Bundesligaprofi verdient im Schnitt über eine Millionen Euro im Jahr.

Im Oktober 2017 traf Norwegens Fußballverband (NFF) eine Entscheidung, die ein Meilenstein sein könnte: Die Nationalspielerinnen sollen künftig das gleiche Gehalt bekommen, wie ihre männlichen Kollegen.  Die professionellen Fußballer*innen, die für das Land Norwegen auflaufen, bekommen jeweils sechs Millionen Kronen (640.000 Euro) jährlich. Zuvor erhielten sie „nur“ 3,1 Millionen Kronen. Dabei erhielten die Damen Beistand der Herren – 550.000 Kronen steuerten diese aus einem Budgettopf bei.

In einem Instagram-Post dankte die norwegische Offensivakteuren Caroline Graham Hansen, die für den VfL Wolfsburg in Deutschland kickt, den männlichen Nationalmannschaftskollegen. Es sei ein Zeichen „für alle weiblichen Athleten da draußen, die den selben Job wie Männer machen, aber weniger dafür verdienen“.

Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass dieses Modell die Runde machen wird. Andere Verbände hielten sich mit Kommentaren zurück. Keine*r nahm dazu eine Stellung ein oder teilte mit, diese Veränderung ebenfalls anzustreben. Norwegen wird voraussichtlich ein Vorzeigebeispiel bleiben, das seines Gleichen sucht. Zum einen, weil sich die Aufmerksamkeit für den Frauen-Fußball weiter in Grenzen halten wird, zum anderen, weil die maskuline Seite viel mehr finanzielles Zutun von sportbegeisterten Milliardären, TV-Geldern und Sponsoren begrüßen darf.

Von Marvin Behrens

[ssba]