Eine Flucht aus Syrien ist schwer. Freundschaften finden ebenso.

Mahm sitzt mit seinen Brüdern und Verwandten aus Syrien in der Küche. Es wird Warsteiner getrunken und traditionell gekocht. In dem kleinen Raum vermischt sich der Geruch der verschieden Gewürze mit dem Dampf der Wasserpfeife. Es ist der 30. Dezember und im Vorgarten fliegen bereits bunte und laute Leuchtkörper in den Himmel. Einer der Männer: „Fast wie Zuhause“. Die anderen Männer lachen.

Es ist nun dreieinhalb Jahre her, dass Mahm Syrien verlassen hat. Bereits vor der Besetzung durch den islamischen Staat in Teilen des Landes, herrschte in der Republik Krieg. Der Bürgerkrieg in seiner Heimat stellte ihn vor die Wahl. Es gab die Möglichkeit, sich dem Regime anzuschließen und dem Militär zu dienen oder sich auf die Seite der Rebellen zu stellen. „Auch wenn ich mich den Rebellen, der „Freien syrischen Armee“ angeschlossen hätte, würde dies für mich keine Sicherheit bedeuten. Unter Ihnen gibt es viele Spione des Regimes. Wenn diese Spione meinen Namen weitergeben, kann dies auch Gefahr für meine Familie bedeuten.“ Für Mahm war nichts davon eine Option. „Ich wollte auf gar keinen Fall zum Militär. Ich musste in der Universität bereits an einer Art „militärischen Vorbereitungcamp“ teilnehmen. Uns wurde das schießen beigebracht, unter anderem mit einer Kalaschnikow und Kriegssituationen wurden nachgestellt.“  So beschloss er sich sein Land zu verlassen. Ein halbes Jahr hat der 26-Jährige gebraucht um seine Vorhaben umzusetzen.

„Meine Familie war traurig als sie erfahren haben, dass ich Flüchten möchte. Aber auch sie wussten dass eine Lösung gefunden werden muss, sonst wäre ich getötet worden. Mein Vater hat mich bei der Flucht unterstützt, auch mit Geld.“ Gemeinsam mit seinem Bruder verließ Mahm seine Heimatstadt Damaskus und machte sich auf eine sieben bis zehn Tage lange Reise. Insgesamt 7000€ hat er dafür bezahlen müssen.

Bis auf einen seiner Brüder lebt Mahms Familie in Deutschland. Er hat eine Wohnung gefunden und arbeitet als Assistenz in einem Labor. Der junge Mann hat all das erreicht, von dem viele Flüchtlinge, die derzeit ihre Heimat verlassen, nur träumen können. Er hat seine Flucht überstanden und ein neues Leben begonnen. Bei seinen Erzählungen blieb Mahm stets gefasst, doch bei einem Thema ist deutlicher Schmerz in seiner Stimme zu hören. „Ich vermisse meine Freunde. Leider ist es hier nicht wie in Syrien. Man lernt sich kennen, aber wenn man sich nicht meldet, vergessen die Leute dich und das war´s. Das macht mich Traurig. Die Menschen hier sind freundlich und nett. Aber wenn es um Freundschaften geht, scheinen die Leute hier andere Vorstellungen zu haben.“

Bei der Frage, ob er in seine Heimat Syrien zurückkehren möchte wird er nachdenklich. „Eigentlich schon“ sagt er. „Doch ob ich noch einen Neuanfang schaffen würde, weiß ich nicht.“

Von Saskia 

[ssba]