Ein Semester im Ausland studieren – Erwartungen, Hoffnungen und Erfahrungen von Studenten –

Ein Semester im Ausland studieren, klingt erst einmal nicht schlecht. Also einfach Koffer packen und los. Doch ist das wirklich so einfach? Fremdes Land, fremde Sprache und fremde Kultur. So verlockend das auch klingt, genauso gut kann es auch Schwierigkeiten mit sich bringen. Jährlich brechen etwa 140.000 Studenten auf in die Ferne. Viele von ihnen bleiben in Europa – andere zieht noch viel weiter weg. Jessica Preuss hat mit zwei von ihnen gesprochen.

USA, Großbritannien und Frankreich – diese Länder finden deutsche Studenten besonders spannend. Dies ermittelt zumindest das Bundesamt für Statistik. Doch Jessica Lang wählt einen anderen Weg: Sie wird das ein Semester an der Universität in Cluj in Rumänien studieren. Aber warum ausgerechnet Rumänien? „Ich bin ziemlich verzweifelt zu meinem Dozenten gegangen, weil ich nicht wusste, was ich in der Praxisphase machen möchte. Er hat mir dann vorgeschlagen dass ich entweder Irland oder Rumänien gehen könnte. Dann dachte ich mir in Irland war ich schon und Rumänien wäre einfach auch eine kulturelle Abwechslung.“

Bryan Coughlan ist da schon einen Schritt weiter, denn er hat sein Auslandssemester bereits hinter sich. Ihn zog es etwas weiter weg: Er ging an die Universität in Tokyo in Japan. Das bot sich an, denn wie er sagt, hat er schon in der Schule angefangen japanisch zu lernen. „Also zum einen wollte ich nicht fürs Abi lernen aber ich wusste, dass ich mein Gehirn fit halten muss, also hab ich angefangen japanisch zu lernen. Zum anderen wollte ich Mangas lesen und große Teile des Internets in der Originalsprache lesen können.

Jessica Lang spricht noch kein rumänisch. Als sie sich entschied nach Cluj zu gehen, waren die Plätze in Sprachkursen schon alle belegt. „Ich überleg mir jetzt erstmal, dass ich irgendwo herausbekomme, was ‚Hallo, ich heiße Jessi und ich möchte da und da hin’ auf rumänisch heißt, damit ich sicher dort ankomme“, erklärt Lang.

Bevor der Flieger abheben kann, müssen die Studenten die Bürokratie überwinden

Eine fremde Sprache zu lernen, ist aber nur ein Teil der Vorbereitung. Bevor der Flieger dann wirklich abheben kann, gibt es noch eine ganze Menge zu erledigen. Und es gilt auch noch die deutsche Bürokratie zu überwinden. Jessica Lang hatte da schon einige Schwierigkeiten. „Ich hoffe, dass ich jetzt langsam mal alles zusammen habe. Es war ein ziemliches hin und her. Zuerst waren alle Fristen abgelaufen, dann konnte ich doch noch was hinterherschicken. Dann musste ich das noch von sämtlichen Leuten unterschreiben lassen, damit ich die Genehmigung habe die Fächer dort auch zu studieren. Wenn ich in Rumänien ankomme, werde ich wahrscheinlich alles noch mal neu machen müssen, deshalb seh ich das erstmal ganz locker.“

„Man muss erstmal seine Wohnung kündigen und sich da eine suchen, dann muss man die Genehmigung der beiden Unis haben, man muss ein Visum beantragen, usw. Die Bürokratie ist haarstreubend – auf beiden Seiten – aber die japanische ist schlimmer. Vor Ort muss man sich dann auch noch eine Krankenversicherung organisieren. Also das meiste an Vorbereitung war Papierkrieg“, berichtet Bryan Coughlan.

Ein Auslandssemester hat natürlich nicht nur Schattenseiten

Das klingt jetzt nach sehr viel Arbeit und Stress in der Vorbereitungszeit, so ein Auslandssemester hat natürlich nicht nur Schattenseiten. Die Journalistikstudentin Lang freut sich auch schon darauf. „Ich möchte das rumänische Leben und die Kultur kennen lernen.“

Ein Auslandssemester geht in der Regel etwa vier bis fünf Monate. In der Zeit kann man einiges erleben. Bryan Coughlan kann schon von seinen Erlebnissen berichten. „Es waren viele super Momente. Ich habe tolle Leute kennen gelernt und mir vieles angeschaut, wie z. b. Hiroshima.“

In Cluj studiert die 21-jährige aus Hannover am deutschen Teil der Universität. Cluj hieß früher Klausenburg und liegt in Siebenbürgen. Viele Bewohner dieser Region sprechen auch heute noch Deutsch. Die Studentin hat aber dennoch Befürchtungen. „Ich hab Angst ich komme am Flughafen an und keiner versteht mich da und ich habe dann keine Ahnung wo ich hinmuss.“

Obwohl der sprachliche und kulturelle Unterschied zu Japan viel größer ist als zu Rumänien, hatte der 27-jährige Göttinger keine Befürchtungen. „Ich habe mich natürlich vorher eingelesen und wusste worauf ich mich einlasse. Die Japaner sind aber auch tolerant was Ausländer angeht und erwarten, dass man gewisse Dinge nicht kann.“

Was würde ich am Meisten vermissen?

Wenn man plötzlich in einem fremden Land ist, so weit weg von Freunden und Familie, stellt sich da noch eine ganz andere Frage: Was würde ich am Meisten vermissen?

Jessica Lang ist sich nicht sicher „Nicht viel glaube ich. Ich weiß nicht viel über Rumänien. Vielleicht die deutsche Ordnung?“

Japan ist bekannt dafür, dass dort alles seine feste Ordnung hat. Daher hatte der junge VWL-Student da ganz andere Sorgen: „Käse….. In Japan gibt es keinen Käse.“

Die gebürtige Hessin hätte auch in der Zeit in Deutschland ein Praktikum absolvieren können. Doch sie entschied sich für ein Studiensemester im Ausland. „Ich möchte viel von rumänischem Leben mitkriegen. Die Studienfächer sind mir da jetzt nicht so wichtig, ich möchte mich vor allem menschlich weiterentwickeln.“

Bryan Coughlan hat das alles schon hinter sich gebracht. Nachdem er nun mehrere Monate wieder in Deutschland ist und sich akklimatisieren konnte, bleibt noch die Frage: Würde er es wieder tun?

“Joah, ich würd’s wieder tun. Es hat sehr viel Spaß gemacht hat und ich habe vieles gelernt. Es macht sich aber auch gut im Lebenslauf und ich denke, dass mein japanisch noch besser werden könnte.“

 

Von Jessica Preuss

Foto: Lara Sagen

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