Die Supermarktverführung: Wie uns allen das Geld aus der Tasche gezogen wird

Ist dir schon mal aufgefallen, dass du, wenn du einkaufen gehst, viel mehr kaufst als du eigentlich wolltest? Dass man nicht hungrig einkaufen sollte, weiß ja eigentlich jeder. Aber wusstest du, dass auch der Aufbau des Supermarktes uns beeinflusst? Es gibt Menschen, deren Job ist es, den Supermarktaufbau genauestens zu planen. Der Kunde wird unbewusst zum Kauf, vor allem von teuren Produkten, animiert. Spontankäufe sind hier das Problem. Wir erläutern euch, wo die Fallen lauern. Worauf ihr beim nächsten Einkauf achten solltet. Gehen wir also gemeinsam in den Supermarkt. Ach nein, die Beeinflussung fängt ja schon vorher an.

Der Einkaufswagen

Einkaufwagen sind einerseits praktisch, andererseits kaufen wir mit ihnen automatisch mehr. Legen wir nämlich nur wenige Teile in den großen Einkaufswagen, sieht dieser so leer aus. Folge: Wir legen mehr Ware hinein und kaufen so mehr. Gerade, wenn wir volle Einkaufswagen anderer sehen, packt uns das Schuld- und Unterlegenheitsgefühl, und auch wir füllen unseren Wagen. Geht man dann auch noch mit seinem Nachwuchs einkaufen, gibt es Einkaufswagen für die Kleinen. Die finden in der Regel auch einiges, was Mama kaufen soll. Zwei Einkaufwagen beutet immer auch einen größeren Einkauf. Zusätzliche Werbebildschirme am Einkaufwagen verstärken den Effekt.

Der Eingangsbereich

Gehen wir jetzt in den Supermarkt hinein. Der Eingang ist meistens rechts. Ist das relevant? Ja, denn Menschen haben einen Linksdrall, sie gehen gegen den Uhrzeigersinn durch den Supermarkt und kaufen dadurch etwa 10 % mehr. Dies fand Silke Schwartau von der Verbraucherzentale Hamburg heraus. Kurz darauf werden wir von der Obst- und Gemüseabteilung gebremst. Das Obst und Gemüse wird in ein gelbliches Licht getaucht, damit es schmackhafter aussieht. Ein feiner Wassernebel sorgt dafür, dass Obst und Gemüse taufrisch aussehen. Schon geschältes und geschnittenes Obst kommt dem faulen Deutschen auch noch zu Gute.

Der Hauptbereich

Die Dinge, die wir am häufigsten kaufen, sind immer ganz hinten im Supermarkt, damit wir durch den ganzen Markt gehen müssen. Auch der Abstand der Regale ist entscheidend, damit wir nicht zu schnell durch die Gänge laufen, uns aber auch nicht eingeengt fühlen. Selbst die Regale an sich manipulieren uns. Sie sind eingeteilt in drei Zonen. Auf Augenhöhe befinden sich die teuersten Produkte, zu denen wir am häufigsten greifen. Weiter oben sind die mittelteuren Produkte und ganz unten sind die günstigen. Dazu kommt, dass die Regale so angeordnet sind, dass man immer auf die teuren Produkte zuläuft. Artikel, die man zusammen konsumiert, stehen nebeneinander (z.B. Nudeln und Soße). Zwischen den Regalen finden wir manchmal auch Präsentationsständer oder Produktanbieter mit Kostproben, die dem Kunden die Ware schmackhaft machen sollen. Die Regale, vor allem von teuren Artikeln, sind auch nie ganz voll, damit Grifflücken bleiben und der Kunde zugreift. Ab und zu wird der Supermarkt auch umgeräumt, damit Kunden Produkte suchen müssen und so auf neue Produkte stoßen.

Weitere Einflussfaktoren

Nicht nur der Aufbau, sondern auch der Duft beeinflusst uns. Ob Blumen-, Brötchen- oder Zimtduft in der Weihnachtszeit, Düfte regen zum Kauf an und werden sogar zum Teil extra künstlich erzeugt. Auch die Musik im Hintergrund sorgt für Entspannung und Emotionen, und ein entspannter Kunde kauft bekanntlich mehr. Morgens wird Musik für Rentner und Hausfrauen gespielt, abends für Jugendliche und Berufstätige. In der Fischabteilung gibt es dann Meeresrauschen und so weiter.

Die Kasse

An der Kasse lockt die letzte Versuchung. Es werden möglichst wenige Kassen aufgemacht, damit der Kunde warten muss. Beim Warten entstehen Langeweile und Frustration, dadurch packt man die besonders teuren Artikel an der Kasse in den Einkaufswagen und achtet nicht mal auf den Preis. Man neigt zu Impulskäufen, die Platzierung dort ist also Absicht. Mit Kindern ist es noch schlimmer. Süßigkeiten sind auf Kinderaugenhöhe und Kinder fangen dann an zu quengeln, wenn sie diese nicht bekommen. Eltern geben in der Regel nach, weil sie keine Lust auf Auseinandersetzungen haben und die Kinder aufhören sollen zu nerven.

Fazit

Die Beeinflussung ist hoch und man muss versuchen, sich zu schützen. Das spart Zeit und Geld. Mein Tipp: Einkaufszettel schreiben und nur das kaufen, was drauf steht, nicht zu lange im Supermarkt aufhalten und die obigen Erkenntnisse beachten. Denn je länger man im Supermarkt bleibt, desto mehr kauft man. Ich arme Studentin lasse mir jetzt nicht mehr das Geld aus der Tasche ziehen!

Von Sabrina Ridderbusch

Foto: Lisa Eimermacher

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