Die Seele

1. Es trafen sich einst die Seele und das Herz
an einem Tag im März.
Die Seele sprach: „Was machst du so?“
Ihr antwortete das Herz:

2. „Ich pumpe Blut an jedem Tag
genauso wie heute im März.“
„Und schlägt die Liebe in dir mit?“ „Klar,
ich bin doch das Herz!“

3. Es traf die Seele ein quälender Schmerz
an diesem Tag im März.
„Ich dachte die Liebe wär‘ vielleicht mein!“,
doch diese bewohnte das Herz.

4. So besuchte die Seele den Kopf – tief im Schmerz.
Es war noch der Tag im März.
Und fragte: „Kopf, wie bist du so?“ „Weise.“
Da durchfuhr sie der Schmerz.

5. „Für Weisheit und für Liebe nicht“,
wiederholte die Seele im März,
„für was stattdessen stehe ich?“
Immer größer wurde ihr Schmerz.

6. Der Geist sprach ruhig „Lebendigkeit“
am selben Tag im März.
Der Leib erklärte „Wohlergehen“,
die Seele war voll von Schmerz.

7. „Wer bin ich nur? Was kann ich bloß?“,
so fragte sie traurig im März.
„Ich helfe dir, hör mir nur zu!“,
erklang die Stimme des März.

8. „Mit mir erwacht das Leben neu,
ich bin der Monat März.
Ich nehme Kummer von euch fort
und trage all den Schmerz.“

9. Die Seele flüsterte tief berührt:
„Ich bin so wie der März,
verarbeite Tag ein Tag aus den Schmerz
von Kopf, Geist, Leib und Herz.“

Von Vivien Marie Rudek

[ssba]