Die Rebellion der Faultiere

„Returner! Knee! Knee! Knee! Und Returner! Kick!“, ruft uns die Frau, die heute anscheinend eine Überdosis Motivation zum Frühstück hatte, von ihrem kleinen Podest aus zu. Ich habe keine Ahnung, was diese Frau von mir will. Beinah panisch versuche ich mit ihr mitzuhalten, stolpere alle paar Schritte über den verfluchten Tritt, der die Bauch-Beine-Po-Übungen zu meiner persönlichen Hölle werden lässt. 

Schuld an meiner Misere ist ganz allein Instagram! Während des Durchstöberns diverser Profile lächeln mir durchtrainierte junge Frauen entgegen, die stolz ihren Bizeps oder Waschbrettbauch der Kamera präsentieren. Darunter Hashtags wie #fitgirl, #healthy, #sports, #gym oder das schlimmste von allen: #transformationday. Die ultimative Zurschaustellung des persönlichen Gewichtsverlust. Mädels, die durch Ernährungsumstellung und Sportsucht vom hässlichen Entlein zum wunderschönen Schwan herangewachsen sind. „Das kann ich auch!“, sage ich mir und lande wenige Stunden später zwischen verschwitzten Hausfrauen und selbstverliebten Muskelkerlen.

Doch ein Typ der „Gym“-Besucher ist am wenigstens zu ertragen: In knappen Shorts und engen Tops machen sie ihre 25 Squads, als wäre es ein Sonntagsspaziergang. Und haben, oh Wunder, sogar Spaß dabei! Erspähe ich dann eine von ihnen wie sie zufrieden in die Kamera grinsend ein Spiegel-Selfie im Trainingsraum machen – ohne nur einer einzigen Schweißperle auf der Stirn – würde ich ihnen am liebsten das roséfarbende iPhone aus der Hand schlagen. So etwas Selbstsüchtiges, uns Normalsterblichen auch noch über Instagram ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen.

Auf dem Weg nach Hause ertappe ich mich, wie ich sanft meinen Po tätschle und mich im Gedanken bei ihm für die Unannehmlichkeiten und den bevorstehendes Muskelkater entschuldige. Währenddessen scrolle ich durch Instagram und verteile mein Likes provokativ an alle, die faul vor dem Fernseher liegen oder sich gerade einen vor Fett triefenden Burger gönnen. Insgeheim entschließe ich mich dazu, mich dieser Rebellion des Nichts-Tuns anzuschließen. Mein Hintern wird’s mir danken!

von Madeleine Buck

[ssba]