Die Idealbilddiät 

Manchmal bin ich schmal, manchmal bin ich breiter. Aber was ich immer bin: Ich. Und das egal, welche Konfektionsgröße ich gerade trage. 

Meine beste Freundin entfolgte von einem Tag auf den anderen all den „Idealfrauen“ auf Instagram. Sie hatte es satt, tagtäglich damit konfrontiert zu werden wie schön, wie schlank, wie smart sie doch alle sind. Im ersten Moment verstand ich ihre Beweggründe nicht. „Ist doch eigentlich schön Motivation und Inspiration von diesen Frauen zu erhalten?“, dachte ich mir. Durch Instagram dazu aufgefordert werden, jeden Tag ein bisschen besser zu sein und dem Ideal näher zu kommen. Aber was ist das denn eigentlich, dieses Ideal? Das Beste, das Schönste, das Tollste – das, was halt jedem gefällt.

Mir fiel es erst wenige Tage später wie Schuppen von den Augen. An diesem einen Tag, als ich mich selbst nicht im Spiegel betrachten konnte ohne zu denken „Oh Franca, wie kannst du nur so rumlaufen?“. Einer dieser Tage, an dem man sich selbst rein gar nicht gefällt, sich einfach nur verkriechen und warten möchte, bis ein besserer Tag anbricht. Ich denke, diese Tage kennt wohl jede Frau. So traurig es auch ist.

Und als ich da so verloren vor meinem Spiegel stand – ohne blöde Pose, ohne Make-up – fiel mir sofort wieder ein, was meine beste Freundin einige Tage zuvor mit müdem Gesicht zu mir gesagt hatte: Dass sie sich diese ganzen Bilder von perfekten Körpern auf Instagram nicht ansehen könne, ohne selbst an sich zu zweifeln. Und da war sie nun, die Frage: Wie würde ich mich an diesem schlechten Tag sehen, würde ich nicht wissen, wie andere Frauen – „Idealfrauen“ – an ihren guten Tagen aussehen? Ich meine, würden wir Normalofrauen weniger an uns zweifeln und hinnehmen, dass wir so sind, wie wir sind?

Ich glaube fest daran, dass es genetisch bedingt in unserer Natur liegt, unseren Körper zu bemängeln. Jedoch bin ich ebenfalls der festen Überzeugung, dass das heutige allzu weit verbreitete, physische „Idealbild der Frau“ auch psychisch bei uns femininen Wesen einiges kaputt macht. Was natürlich alles andere als gesund ist. Die darauffolgenden Diäten sollten daher durch eine ersetzt werden, die mir meine beste Freundin unbewusst näherbrachte: Die Idealbilddiät. Denn auch ich entfolgte noch an diesem einen Abend all den ach so schönen, ach so schlanken „Girlbosses“, die mich auch an meinen guten Tagen mehr an mir zweifeln ließen, als dass sie mich erheiterten oder eben motivierten. Und sind wir doch mal ehrlich: Wie lange mag es bei diesen „Instabloggern“ wohl dauern bis das perfekte Instagrambild steht? Die ganzen Verrenkungen, ein schöner Hintergrund, das perfekte Outfit, das passende Make-Up, das beste Licht, Kinn hoch, Kinn runter, lächeln… oder doch lieber ernst? Elendige 500 Klicks später ist das Bild dann im Kasten. Beruhigender Gedanke nicht wahr? Zumindest ließ er mich aufatmen und war der Beginn der besten Diät, die ich je begonnen habe. Und eigentlich hätte mir und auch vielen anderen Frauen schon längst klar sein sollen, wie es im Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, die auch der Körper durchläuft, so ist:

Manchmal bin ich schmal, manchmal ein bisschen breiter. Aber was ich immer bin: Ich. Und das egal, welche Konfektionsgröße ich gerade trage.

Von Franca Lentz

[ssba]