Die Gruppen F und G – Schwarz-rot-goldene Party kann beginnen

Der große WM-Check

Heute ist es endlich so weit: Deutschland startet mit dem Auftaktspiel gegen Portugal in die Fußball-Weltmeisterschaft (18 Uhr, MEZ). In der Gruppe G treffen außerdem Ghana und die USA (0 Uhr) aufeinander. In der Gruppe F startete vergangene Nacht mit Argentinien ein weiterer WM-Favorit ins Turnier. Gegen Bosnien-Herzegowina wurden die Südamerikaner ihrer Favoritenrolle gerecht und setzten sich mit 2:1 durch. Im zweiten Spiel der Gruppe F treffen heute die beiden Außenseiter Iran und Nigeria (21 Uhr) aufeinander.

 

Gruppe F – Gauchos mit starker Offensive

Angel Di Maria von Real Madrid, Lionel Messi (FC Barcelona), Gonzalo Higuain vom italienischen Pokalsieger SSC Neapel und Sergio Aguero von Manchester United – ohne Frage: Die Argentinier haben eine der stärksten Offensivreihen bei dieser WM. Bei diesem Star-Ensemble geriet Ezequiel Lavezzi von Paris St. Germain fast schon in den Hintergrund. Der in der Offensive variabel einsetzbare 29-Jährige spielte in Frankreich eine starke Saison und markierte neun Treffer. Dabei könnte es vor allem auf ihn ankommen, wenn Messi schwächelt. Zuletzt musste sich der viermalige Weltfußballer des Jahres des Öfteren auf dem Spielfeld übergeben.Auch in der Defensive hat der Kader der Gauchos einige prominente Namen in seinen Reihen. Der in der Innenverteidigung gesetzte Ezequiel Garay von Benfica Lissabon wird von zahlreichen europäischen Topklubs, inklusive dem FC Bayern München, umworben. Und auch Pablo Zabaleta spielte bei Manchester City eine starke Saison. Einzige Baustelle: Mit Sergio Romario (AS Monaco) absolvierte der Keeper der Argentinier in der abgelaufenen Saison nur drei Einsätze in der Liga. Zudem ist Javier Mascherano im defensiven Mittelfeld für seine Schnelligkeitsdefizite bekannt.

Gelingt es Trainer Carlos Sabella aus seinen zahlreichen Einzelkünstlern ein Team zu formen, werden die Argentinier ein gewichtiges Wort in Sachen WM-Sieg mitreden.

Einen ersten Schritt machten die Argentinier mit dem heutigen Auftaktsieg gegen Bosnien-Herzegowina. Die Südosteuropäer nehmen in Brasilien erstmals in der Geschichte ihres Landes an einer Fußball-Weltmeisterschaft teil. Welchen Eindruck der Neuling bei seinem WM-Debüt hinterlassen wird, hängt nicht zuletzt von den sechs im Kader befindlichen Bundesligaspielern ab. Der unumstrittene Leader des Teams ist Emir Spahic. Der introvertierte Innenverteidiger von Bayer Leverkusen gilt als Patriot und verkörpert den Kampfgeist des Nationalteams wie kaum ein anderer. Im Mittelfeld geben der ehemalige Wolfsburger Zvjezdan Misimović (Guizhou Renhe, China) und Miralem Pjanić vom AS Rom die Schlagzahl vor. Letzterer entwickelte sich im vergangenen Jahr in der Serie A zum Führungsspieler und wird von zahlreichen Vereinen umworben. Er soll in Brasilien mit Edin Dzeko den Star des Teams mit Anspielen versorgen. Der 28 Jahre alte Mittelstürmer von Manchester City hatte mit seinen 16 Toren in der abgelaufenen Saison maßgeblichen Anteil am Gewinn der englischen Meisterschaft. Sollte Dzeko sich verletzen, steht Trainer Safet Sušić mit Vedad Ibisevic vom VfB Stuttgart eine gute Alternative zur Verfügung. Mit der Euphorie der WM-Premiere im Rücken, ist dem Team aus Südosteuropa trotz der Auftaktniederlage noch der Achtelfinaleinzug zuzutrauen.

Im zweiten Gruppenspiel treffen heute Abend (21 Uhr, MEZ) Iran und Nigeria aufeinander. Während der Afrikameister von 2013 einige bekannte Spieler in seinen Reihen hat, gelten die Iraner als große Unbekannte. Deren portugiesischer Trainer Carlos Queiroz hat den Achtelfinaleinzug als Ziel ausgegeben und setzt in Brasilien vor allem auf Routine. So gibt es im Kader der Iraner elf Spieler, die 30 Jahre und älter sind. Mit Ashkan Dejagah (FC Fulham) und Daniel Davari (Eintracht Braunschweig) stehen auch zwei in Deutschland bekannte Spieler im Aufgebot. Neben Dejagah, der vor seinem Wechsel nach England für Wolfsburg spielte, ruhen die Hoffnungen im Angriff auch auf Reza Ghoochannejad (Charlton Athletic). Angriff ist auch das Stichwort in Hinblick auf das Aufgebot der Nigerianer. Während die Afrikaner in der Offensive mit John Obi Mikel (FC Chelsea), Ogenyi Onazi (Lazio Rom), Victor Moses (FC Liverpool) und Emmanuel Emenike (Fenerbahce Istanbul) einige Spieler aus europäischen Topklubs in ihren Reihen haben, strotzt die Defensive um Kapitän Joseph Yobo (Norwich City) nicht gerade vor internationaler Klasse. Mit viel Diszipliniertheit könnte für Nigeria in dieser Gruppe dennoch etwas zu holen sein.

Prognose für die Gruppe F

Während Argentinien souverän ins Achtelfinale marschiert, werden Bosnien-Herzegowina und Nigeria im direkten Duell Rang zwei unter sich ausmachen.

Gruppe G – Deutschland gegen Ronaldo

Es liegt wohl in der Natur des Deutschen, der sich anlauernden Euphorie mit einer ordentlichen Portion Pessimismus entgegenzuwirken. So wurde die deutsche Nationalmannschaft vor ihrem ersten Gruppenspiel heute gegen Portugal (18 Uhr, MEZ) vielerorts bereits abgeschrieben. Zu viele Verletzte, zu starke Gegner, keine Leader – selbst das Vorrunden-Aus ist für einige Experten möglich. Im Ausland ist die landläufige Meinung eine andere. Wenn nach dem Favoriten bei dieser Weltmeisterschaft gefragt wird, wird unweigerlich auch die DFB-Elf genannt.

Zurecht. Denn rein qualitativ betrachtet, startet heute eine der stärksten deutschen Nationalmannschaften, die je an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hat, ins Turnier. Nicht nur bei den beiden deutschen Vorzeigevereinen, dem FC Bayern München und Borussia Dortmund, sondern auch im Ausland haben Spieler mit deutschem Pass wieder Konjunktur. Mit Per Mertesacker, Mesut Özil und Lukas Podolski hat DFB-Trainer Joachim Löw gleich drei Spieler des FC Arsenal London in seinen Reihen. Sami Khedira bekam trotz langer Verletzungspause von Carlo Ancelotti im Finale der Champions League das Vertrauen und Miroslav Klose hat unlängst seinen Vertrag bei Lazio Rom um ein weiteres Jahr verlängert. André Schürrle spielt beim FC Chelsea eine gute Rolle. Vor allem die in der Premier League aktiven deutschen Spieler haben deutlich an Zweikampfstärke zugelegt. Zudem ist allein das Mittelfeld der Löw-Elf ein Buffet nach dem Geschmack vieler internationaler Klubs. Toni Kroos, Schürrle, Özil, Philipp Lahm, Podolski, Mario Götze, Julian Draxler, Sebastian Schweinsteiger, Thomas Müller – taktisch ist Löw flexibel wie nie. Der Ausfall von Marco Reus schmerzt, hinterlässt aber keine Lücke.

Während Matthias Ginter, Erik Durm, Shkodran Mustafi und Christoph Kramer erst in diesem Jahr ihr Länderspiel-Debüt gaben, sind zahlreiche andere Spieler im deutschen Kader bereits mindestens zum zweiten bei einer Weltmeisterschaft dabei. Aus einstigen Hoffnungsträgern sind mittlerweile Führungsspieler geworden. Der Druck ist groß, für die auf internationalem Niveau agierenden Deutschen jedoch nichts Neues. Der WM-Titel ist möglich.

Während bei der deutschen Nationalmannschaft das Team der Star ist, ruhen bei Portugal alle Hoffnungen auf Weltfußballer Christiano Ronaldo. Doch selbst wenn der Dribbelkünstler nach seiner Knieblessur wieder fit sein sollte, werden es die Südeuropäer schwer haben. Ronaldo kann ohne Zweifel ein Spiel im Alleingang entscheiden. In Brasilien jedoch, wo die klimatischen Bedingungen keinen Powerfußball zulassen, kommt es vor allem auf die qualitative Breite eines Kaders an. Und in diesem Punkt stehen die Portugiesen den Deutschen in einiges nach. Neben Ronaldo sind Abwehrchef Pepe (Real Madrid) und der zweikampfstarke William Carvalho von Manchester United die Säulen des Teams. Es bleibt abzuwarten, welche anderen Spieler in Brasilien Verantwortung übernehmen.

Spielertypen wie Ronaldo oder Götze, sprich Edeltechniker, sucht man im Aufgebot der USA vergebens. Jürgen Klinsmann bewegte sich zudem auf dünnes Eis, als er mit Landon Donovan den Inbegriff des amerikanischen Fußballs aus dem Kader strich. Der ehemalige Bundestrainer holte sich für die WM Berti Vogts ins Boot. Der Trainer von Aserbaidschan gab Klinsmann nicht nur Ratschläge bei der Auswahl seines Kaders, sondern wird auch in Brasilien die Gegner in der Gruppe G beobachten. Er und Klinsmann setzen am Zuckerhut auf eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. So ist unter anderem auch Julian Green von der zweiten Mannschaft des FC Bayern München mit dabei. Er wird in Brasilien vorrausichtlich sein erstes A-Länderspiel überhaupt bestreiten.

Weitaus größere Chancen, am Ende als „lachender Dritter“ ins Achtelfinale einzuziehen, hat Ghana. Die Afrikaner erreichten bereits vor vier Jahren in Südafrika sensationell das Viertelfinale und scheiterten dort erst im Elfmeterschießen gegen Uruguay. Neben Michael Essien und Sulley Muntari  (beide AC Mailand) ruhen die Hoffnungen vor allem auf Spielgestalter Kevin-Prince Boateng (FC Schalke 04). Ghana ist ein Team, das die vermeintlich stärken Mannschaften in seiner Gruppe mit einer robusten Spielweise in Schach halten will. Gelingt dies und hält zudem die Defensive, sind Afrikaner zumindest in der Lage als Spielverderber zu agieren.

Prognose in der Gruppe G

Deutschland setzt sich vor Portugal durch. Ghana und die USA bleibt nur die Reservistenrolle.

Von Maria Kurth

[ssba]