Diät oder Essstörung? – Teil 2

Das Hauptproblem ist, dass die Betroffenen sich nicht eingestehen, dass sie es übertreiben. Wessen Mahlzeitenplanung sich stets um Nährstoffkategorien, Kalorienwerten und das richtige Timing dreht, sollte sich allerdings einmal fragen, ob das noch ganz normal ist. Sportliche Ziele sind schön und gut, aber sollten nicht das ganze Leben beherrschen. Wer seiner Familie, den Freunden oder Arbeitskollegen mit seinen Ernährungsarien auf die Nerven geht, ist definitiv schon zu weit. Sport ist für die Mehrheit ein Hobby, das Spaß machen und gesund halten soll.

Psychologische Ansätze

Auslöser solch extremen Verhaltens sind vielseitig. Als Kind dick gewesen zu sein und der damit verbundene Wunsch nach Aufmerksamkeit und Respekt taucht dabei oft auf. Auch ein einschneidendes Erlebnis, wie der Verlust eines geliebten Menschen, kann ein solches Verhalten hervorrufen. Als Kompensationsversuch stürzt sich der Sportler in sein Hobby, um etwas zu haben auf das er sich konzentrieren kann.

Natürlich sind nicht alle Leute mit hohen Zielen gleich gestört! Die meisten sind entweder sehr ungeduldige Menschen oder haben einfach nicht die genaue Ahnung von ihrem Tun. Oder beides. Wichtig ist deswegen stets sein Handeln zu hinterfragen und sich auch bei anderen Sportsfreunden oder der Familie Feedback zu holen. So hat man stets ein Echo von Leuten, die eine distanziertere Meinung haben.

Schluss mit dem Wahnsinn

Und dann? Wenn ich merke, dass ich doch einiges nicht ganz richtig gemacht habe?

In diesem Fall: System rebooten. Der Ernährungsplan sollte analysiert und die Stellen geändert werden, die das Problem verursachen. Am besten mit Hilfe eines Freundes, der ein Auge auf die Neuversion wirft – sonst schleichen sich erneut Fehler ein. Hierbei ist wichtig lieber etwas großzügiger mit sich zu sein, da man aus den alten Mustern ja ausbrechen möchte. Ganz ohne Abstriche was das Ziel angeht, läuft allerdings nichts. Jedoch lohnt es sich unterm Strich schon, da man zumindest sicher sein kann, dass man es wesentlich gesünder und ausdauernder erreicht hat – und das macht noch stolzer als der schnelle Weg.

Besser man nimmt sich etwas mehr Zeit für seine Ziele und geht dabei sicher sie auch richtig und vor allem gesund zu erreichen. Etwas mehr Lebensqualität durch lockere Regeln hat im Hobbysport nur selten geschadet und ist außerdem die weitaus sozial-verträglichere Lösung.

Von Dennis Schmitt

Foto: Lara Sagen

[ssba]