Des Einen Freud, des Anderen Leid

Emmi ist anders als ihre Artgenossen. Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine ganz normale Goldhamster-Dame. Jeder, der dem kleinen Fellknäuel in die schwarzen Knopfaugen schaut, ist sofort entzückt.

Als sie vor zwei Jahren bei mir eingezogen ist habe ich noch nicht gewusst, welche Talente in ihr schlummern. Schon bald stellte sich heraus, dass sie ein echtes Energiebündel ist. Täglich und stundenlang dreht die kleine Sportlerin ihre Runden in dem grünen Laufrad – als würde sie für den Ultramarathon trainieren. Nach dem Ausdauertraining folgt meist das Krafttraining. Meine flauschige Mitbewohnerin klettert dann an den senkrechten Gitterstäben hoch, greift geschickt um und hängt anschließend mit allen vier Beinchen kopfüber unter der Käfigdecke. Wenn das flauschige Tierchen dort erst einmal hängt, hangelt es sich von einer Seite zur anderen und wieder zurück. Nicht selten kommt es vor, dass der agilen Turnerin dabei der Leichtsinn packt und sie übermütig wird. Todesmutig stürzt sie sich dann hinab und nimmt erneut Anlauf.

Meine Hamsterdame hat aber noch eine weitere Leidenschaft: Die Architektur. Sie ist eine durchaus begabte Baumeisterin. Ständig gestaltet sie ihr Eigenheim um. Letzte Nacht saß sie nach einem lauten Scheppern zufrieden neben ihrem umgeworfenen Haus und hat mich unschuldig angesehen. Dass ihre zweibeinigen Mitbewohner um diese Uhrzeit schlafen wollen, scheint die Krachmacherin nicht zu stören.

Ihre Ruhezeit beginnt erst, wenn bei Anderen der Wecker klingelt.

Von Lara Sagen

[ssba]