„Davor sollte man als Journalist nicht zurückschrecken“

Arne Herden studiert im 2. Semester den Masterstudiengang Fernsehjournalismus an der Hochschule Hannover. In einem Interview mit Interact berichtet er von der diesjährigen CeBIT, einer Studienfahrt nach Israel und der Leidenschaft für Medien.

Wie bist du auf die Idee gekommen Fernsehjournalismus zu studieren?

Ich habe vorher in Lemgo Medienproduktion studiert, weil mich Medien im allgemeinem immer interessiert haben. In Lemgo ging es in Richtung fiktionaler Film, was nicht so sehr mein Ding war, wie ich da festgestellt habe. Ursprünglich komme ich aus Hildesheim und habe von dem Master in Hannover gehört und fand es direkt schön.

Welche 3 Eigenschaften sollten Fernsehjournalisten mitbringen und warum?

Ja, ich denke mal ähnliche Eigenschaften wie Journalisten aus Radio und Print. Sorgfalt, Neugier und eine gewisse Neutralität. Wenn man sehr neugierig ist, kann man vieles als Chance sehen. Neugier erfordert natürlich auch einen gewissen Mut aber im Endeffekt lohnt sich das.

Konntest du diese bei den Dreharbeiten während der CeBIT einsetzen?

Die Arbeit auf der CeBIT war eher unjournalistisch, denn wir haben dort einen Imagefilm, also Werbung, gedreht. Neutral waren wir damit nicht, aber sorgfältig.

Welche Erfahrungen konntest du mitnehmen, die für deinen Beruf wichtig sein könnten?

Es ist sicherlich von Vorteil, wenn man so viel Praxiserfahrung sammelt wie man kann. Gerade im Bereich Kamera ist Routine sehr wichtig. Da hilft jeder Dreh.

Eine Woche später bist du dann mit deinem Studiengang nach Israel geflogen. Was habt ihr dort gemacht?

Erst mussten wir eine Aufnahme auf der CeBIT nachdrehen, da hatten wir dann schon ein bisschen Zeitdruck. Danach ging es direkt nach Israel. Sinn der Sache ist, dass dort mit einer palästinensischen Hochschule eine Kooperation aufgebaut werden soll. Wir waren die ersten, die den Kontakt aufgenommen haben. Daraus soll dann eine längerfristige Kooperation entstehen. Die Studenten dort sind auch im Medienbereich tätig und betreiben einen eigenen Fernsehsender.

Wie hast du die Atmosphäre dort empfunden?

In den Medien hört man sehr viel Negatives über die Region. Wenn man da ist, kommt es einem nicht so schlimm vor. Trotzdem sind in der Zeit als wir da waren auch Leute an der Grenze erschossen worden. Das hörte man von hier und da, selber dabei waren wir nicht. Für einen angehenden Journalisten ist es wichtig so etwas auch mal zu machen, immerhin kann es passieren, dass man in seiner Karriere in politisch unruhigen Ländern arbeitet. Davor sollte man als Journalist nicht zurückschrecken. Wir sind dort mit dem ganzen Studiengang hingefahren, wir sind allerdings auch nur 15 Leute. Zum Glück gab es eine gewisse Unterstützung durch die Hochschule HannoverHan – alleine hätten wir dies auch nicht finanzieren können.

Gibt es einen Unterschied zwischen der journalistischen Arbeit dort und hier?

Denen wird das leben dort sehr schwer gemacht. Durch die israelische Regierung, aber auch durch die palästinensische. Der Konflikt zwischen Israel und Palästina ist das wichtigste Thema. Außerdem haben die Studenten dort nicht die Mittel, viele waren begeistert, als sie die Bilder aus Hannover und unserer Ausrüstung gesehen haben.

Kannst du dir vorstellen auch im Ausland tätig zu sein?

Ja, wenn es für eine begrenzte Zeit wäre, dann ja. Für maximal 3 Jahre könnte ich es mir vorstellen, wenn es sich mit der Familienplanung vereinbaren lässt.

Was ist dein Ziel nach dem Studium?

Nach dem Master wünsche ich mir, dass ich selbstständig arbeiten kann mit einer kleinen Produktionsfirma oder freiberuflich für einen Sender. Und würde gerne dann auch im Bereich Dokumentarfilm tätig sein.

Meinst du, du kannst diesen Vorsatz so umsetzen?

Ich mache mir schon ein bisschen Sorgen, dass alles so klappt wie ich mir das vorstelle. Trotzdem glaube ich, dass die Chancen nicht schlecht sind, wenn man sich bemüht. Es gibt ja zum Glück in Deutschland die vielen Spartensender von ARD und ZDF, die den Raum für Dokumentarfilmproduktionen bieten.

Was tust du schon während des Studiums dafür?

Unser Studium ist schon sehr vollgepackt. Es gibt viele Projekte, da bleibt nicht viel Zeit für eigene Arbeiten. Unsere Masterarbeit haben wir jetzt schon begonnen, also ein Jahr vor Ende des Studiums. Dafür bekommen wir über die Hochschule Kontakte zu wichtigen Personen in der Branche. Das find ich auch sehr gut und sehr wichtig für den Einstieg in das Berufsleben.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, aber ein Film sagt mehr als 1000 Bilder. Wie stehst du dazu?

Ich möchte gerne mit den Filmen die ich produziere Geschichten erzählen. Das passt auch gut zu der Richtung in die ich gehen möchte, eher nicht Reportagen sondern fokussiert auf Dokumentation. Leute bewegen und entführen in unbekannte Welten, die sie nicht kennen und spannende Geschichten erzählen.

Von Loreen Abedi

 

[ssba]