„Das Mandela Team ist wie eine Familie“

Nur zwei Matches gewann das „Mandela Team“ in der letzten Saison, doch trotzdem sind sie in jedem Spiel irgendwie Gewinner. Die Fußball-Mannschaft aus Lehrte ist keine gewöhnliche Fußballtruppe, denn sie besteht ausschließlich aus Flüchtlingen.

Ein lauter Pfiff und alle lauschen den Worten von Trainer Patrick Fuller: „Zum Aufwärmen spielen wir Kleinspielfeld!“ Und schon werden aus den Freunden Gegner – doch nur im Spiel. Sie alle haben nämlich eines gemeinsam: die Flucht vor Krieg, Hunger oder Unterdrückung aus ihren Heimatländern.

„Ich habe vor Kurzem meine Familie wiedergefunden, die ich auf der Flucht nach Europa verloren habe“, berichtet Hamsa Mohammed strahlend. „Mein Vater war Offizier einer Oppositionspartei in Somalia.“ Während er dies sagt, verschwindet für einen kurzen Moment sein breites Grinsen. „Doch das Mandela Team hat mir geholfen mich hier heimisch zu fühlen. Wir sind wie eine große Familie.“ Der Afrikaner ist Leiter der Fahrradwerkstatt, die von den Flüchtlingen betrieben wird. Schnell hat er gelernt Verantwortung zu übernehmen.

Bälle, Schuhe und Trikots werden durch Spenden und Fördermittel finanziert. „Außer Fußball haben die meisten Spieler wenig Abwechslung in ihrem Leben“, sagt Betriebswirt Dirk Ewert, ehrenamtlicher Integrationsbeauftragter des SV Yurdumspor Lehrte. Unter dessen Vereinsnamen trägt das Mandela Team sogar Meisterschaftsspiele aus. „Wir waren 2013 die erste Fußballmannschaft in ganz Deutschland, die ausschließlich aus Flüchtlingen bestand.“

Zurück zum Spielgeschehen auf dem Platz, denn es geht dort weiter hoch her: Jesiden, Muslime und Christen spielen sich in schönen Staffeten die Bälle zu. Für ein paar Stunden in der Woche scheinen die schlimmen Erlebnisse in ihren Köpfen wie verflogen. Denn fast alle Männer flüchteten auf schrottreifen Booten über das Mittelmeer nach Europa. Deutsch sprechen sie schon erstaunlich gut. Das haben sie auch Anke Gabcke zu verdanken. Die Sozialwissenschaftlerin vermittelt den Männern Praktikaplätze und gibt Bewerbungsunterricht. Denn wenn das Training endet, geht ihr Leben in ihrer neuen Heimat weiter.

Von Jan Jüttner 

Eine Einheit – ein Team: Die Männer sind die Brüder. Foto: Leonie Herzfeldt

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