Das Leben nach der großen Liebe

Louisa Clark hatte alles: Ein ganzes halbes Jahr hatte sie den richtigen Job, die richtigen Freunde und vor allem: Will. Doch Will ist weg. Und hat seine Familie und Freunde und die Liebe seines Lebens einfach zurück gelassen. „Ein ganz neues Leben“ (Wunderlich, September 2015) erzählt, wie Lous Geschichte nach Will weitergeht. Nachdem sie am Ende des Vorgängers „Ein ganzes halbes Jahr“, der im Sommer in die Kinos kommt, geradezu würdevoll mit dem Tod ihres Freundes umgegangen ist, zeigt Jojo Moyes in ihrem neuen Roman, welch innere Leere die junge Lou nun heimsucht.

Ein undankbarer Job in einer Flughafen-Bar, eine kahle Wohnung in London und die tägliche Flasche Wein – nichts scheint Louisa Clark nach Wills Tod mehr auszufüllen. Nachdem sie eines Abends halbtrunken vom Dach ihres Wohnhauses stürzt, beginnt sie langsam zu realisieren, dass sich etwas ändern muss.

Als dann aus heiterem Himmel eine Teenagerin vor ihrer Haustür behauptet, Wills Tochter zu sein, gerät Lous Welt wieder einmal aus den Fugen. Voller Zweifel, aber auch Dankbarkeit, ein Stück von Will wieder zu haben, nimmt sich Louisa der 16-jährigen Lily an. Doch diese stellt ihr Leben komplett auf den Kopf. Trotz einer neuen Schwärmerei und einen unglaublichen Jobangebot in New York kann Louisa immer noch nicht die Vergangenheit – und Will – loslassen.

Doch dank Lily kämpft sich Lou Stück für Stück ins Leben zurück. Sie lernt, dass Will loszulassen, nicht auch gleichzeitig heißt, ihn zu vergessen.

In „Ein ganz neues Leben“ (Englischer Titel: „After you“) wird der Leser direkt mit dem Schmerz der Protagonistin konfrontiert. Leser, die den Vorreiter des Buches verschlungen haben, fällt dies nicht schwer. Neulinge können sich schwieriger in Lou hineinversetzen, da ihre Vorgeschichte mit Will kaum weiter ausgeführt wird.

Während sich so ziemlich alle Figuren der Geschichte weiterentwickeln, scheint Lou verhältnismäßig lange auf der Stelle zu treten. Die angesichts der Ereignisse zwar nachvollziehbar sind, bei über 500 Seiten Lesestoff allerdings irgendwann mühsam werden. Außerdem wird ihre Unentschlossenheit zum nervenaufreibenden roten Faden der Geschichte. Dadurch fallen mögliche Plot-Twists allerdings unter den Tisch. Und der so aufregende Anfang wandelt sich zu einem zähen Ende, dass man eigentlich schon 100 Seiten früher erwartet hätte.

Fazit: Der Lesefluss ist durchaus gegeben. Allerdings hätte man die Story in weniger Seiten erzählen können, da manche Entwicklungen zur eigentlichen Handlung nicht viel beitragen. Alle, die auf eine zweite Liebesgeschichte hoffen, sollten lieber die Finger von dem Roman lassen. Im zweiten Teil des Bestsellers geht es eher um Lous persönliche Entwicklung, als um eine neue Liebe in ihrem Leben.

Von Madeleine Buck

[ssba]