Das Ende der Welt ist eine Insel

Ein Eiland voller Mythen, Naturwunder und kleiner, dicker Ponys – klingt wie die wahre Idylle, ein Urlaubserlebnis wie es im Buche steht. Doch der Schein trügt: Das eisige Island lockt immer mehr Touristen in die Falle

Für gewöhnlich wünscht man Menschen, die man nicht ausstehen kann „dahin wo der Pfeffer wächst.“ Das hat sich in unseren Sprachgebrauch so eingebürgert, sollte aber dringendst korrigiert werden. Besagter Ort wäre nämlich Indien, wo es zwar überfüllt, aber auch immer sonnig und günstig ist. Alternativ könnte man von nun an sagen: „Geh doch dahin wo der Hai schimmelt!“. Dank aktuellster Ereignisse (EM-Achtelfinale) wird das Hasssubjekt nicht allzu abgeneigt sein und – da kannst du sicher sein – dich nie wieder belästigen. Denn…

Alles hier möchte dich töten

Dank Jahrtausende lang kultivierte Inzucht, kurzweiligem Glückserfolg bei besagter Europameisterschaft und die daraus resultierende Torheit, bilden sich die Isländer irrtümlich ein, von der ganzen Welt geliebt zu werden. Eine sachliche Betrachtung der Heimat könnte Wunder bewirken.

Als Immobilie ist das Land gescheitert, ein Grundstück in traurigem Zustand, nicht zumutbar für intellektuelle Europäer und lebensgefährlich für manch einfältigen Amerikaner. Überall sind die Kanalrohre undicht, überall schießt und spritzt stinkendes Schwefelwasser aus dem Boden hervor, überall umgeben uns todbringende Dämpfe. Und von vernünftig asphaltierten Straßen möchte ich gar nicht erst anfangen (um ein Land mit nur einer einzigen Straße kann es infrastrukturell ja nicht sonderlich gut bestellt sein), und stirbt man nicht an heißen Lavaströmen, klirrender Kälte oder todbringenden Smog eines unaussprechlichen Vulkans, dann spätestens am Essen.

Nom Nom Nom? Schafskopf, Puffin oder Hai auf dem Teller

Nationale Küche existiert hier nicht. Vielmehr wird alles an tierischen Resten und Körperteilen verwertet was man finden kann. Sonntagsbraten ist hier entweder ein herumliegender Schafskopf oder vergammelter Haifisch aus der letzten Ecke des Kühlschranks. Im Vorgarten verbuddelt wird er erst wieder ausgegraben wenn selbst die Hunde es nicht mehr wagen daran zu schnuppern. Isländer sind wahre Barbaren. Jeder Tourist, der das Land auf eigene Gefahr hin betritt, verliebt sich augenblicklich in die heimischen Puffins oder auch Papageientaucher. Und was machen die Isländer? Filetieren und räuchern dieses niedliche Tierwesen und verzehren es unter lautem schmatzen mit Skyr und überteuertem Bier-Ersatz. Nur so nebenbei: Alkoholgenuss ist hier auch nicht sehr empfehlenswert. Zu Wucherpreisen gibt es entweder wässrigen Gerstensaft oder den schwarzen Tod – ein Branntwein der dir die Seele aus dem Leib treibt. Jetzt möchte der Präsident des Landes auch noch die Pizza Hawaii verbieten. Du siehst: Es gibt Gründe, warum isländisches Essen außerhalb des Landes nicht sehr populär ist…

Ein Schneesturm an jeder Ecke

Genauso wie das Essen, ist auch das Wetter hier ist eine wahre Zumutung: Schnee, Regen, Hagel und Sturm, gefolgt von fünf Minuten Sonne, bei der jeder Isländer sich wie ein Vampir in dunklen Ecken versteckt und jeder Tourist ungläubig gen Himmel blickt. Der darauf folgende Schneesturm normalisiert aber für gewöhnlich die katastrophale Hitze wieder. Im Winter ist es den ganzen Tag über dunkel, im Sommer geht die Sonne gar nicht erst unter – entscheidungsfreudig ist hier niemand,  Naturgesetzte sind ein Fremdwort.

Wer nun flüchten will wird entweder auf dem Gletscher ausgesetzt, harpuniert oder den nächsten Wasserfall herunter gestoßen. Von denen gibt es tatsächlich alle 10 Meter einen.

Wenn ich groß bin will ich Isländer werden!

Vernünftige Jobs hat hier übrigens auch niemand. Wer nicht Touri-Guide wird, ist entweder Fußballer, Walfänger oder Krimi-Autor. Der Handel mit krimineller Schundliteratur floriert wie sonst nichts anderes in dieser Lavawüste. Nationale Meisterwerke sucht man vergebens. Die populärsten
Schriftwerke sind so roh und brutal wie die Wikinger vor Jahrhunderten selbst. Blutrünstig, grobschlächtig und ohne jedes Sprachgefühl. Die isländischen Verlage nehmen, was man ihnen hinwirft, lassen es übersetzten und verkaufen es als Bestseller an die Europäer – besonders wir Deutschen sind Könige darin diese „Wortkunst“ ohne Kritik zu verschlingen. Den Namen des Autors kann niemand auch nur aussprechen, aber lesen wollen sie ihn alle.

Wen trotz allem doch das Reisefieber packen sollte, dem rate ich folgendes:

  1. Die Parkkosten sind eine Frechheit! Pure Abzocke, lieber gleich zu Fuß gehen.
  1. Von Akureyri bis nach Reykjavik fährt der Bus nur alle 2 Wochen. Auch Dorfkinder sollten pünktlich sein und sich nicht denken „Ach, ich nehm einfach denn nächsten.“!
  1. Bitte glatt rasieren (im Gesicht)! Bärtige Männer sind auf der Insel total out und gelten als untrendy und unmännlich.

Von Nina Räbiger

[ssba]