Da habe ich Blog drauf! 

Ninia Binias – oder wie sie im Netz heißt Ninia „LaGrande“ – ist Bloggerin, Schriftstellerin und Slam Poetin. Ihr Leben als vielseitige Wortakrobatin ist stets eine erlebnisreiche Reise quer durch die Republik. 

Gestern Hamburg, morgen Hameln, dann wieder Hannover. Ninia „LaGrande“ liebt es unterwegs zu sein. Sonntags auf der Couch faulenzen kommt selten vor, der innere Tatendrang ist einfach zu groß. Aktuell tourt die kleinwüchsige „LaGrande“ durch die gesamte Bundesrepublik und stellt auf den Bühnen der Städte ihre Werke vor. Doch wie schafft man den Durchbruch in Zeiten, in denen sich jeder für einen Poeten, Schriftsteller oder Literaten hält, sobald er einmal etwas im Netz verfasst hat?

Wer wirklich bloggen will, müsse weg vom Schreibtisch, raus aus der Wohnung, was erleben, so Ninia. „Inzwischen habe ich mir angewöhnt, immer ein Notizbüchlein dabei zu haben, wenn ich zum Beispiel im Zug unterwegs bin“, sagt die 33-Jährige. Insbesondere für die hannoversche Lesebühne „Nachtbarden“ ist ein offenes Ohr in der Innenstadt immer ein hervorragender Aufhänger für eine gute Geschichte. Aber auch Freunde und Verwandte geben ihren Slam-Texten häufig eine Grundlage. „Die Einzige, die das manchmal blöd findet, ist meine Mutter. Aber das ist auch verständlich, weil sie nicht immer so gut dabei wegkommt“, gibt Ninia mit einem kurzen Lachen zu.

Manchmal wird eine Geschichte natürlich auch um des Witzes Willen von ihr ein wenig überspitzt dargestellt. Notfalls muss ihre fiktive Freundin Ruth als Protagonistin herhalten. Ninia schreibt häufig einfach drauf los: „Ich habe natürlich auch dazu gelernt über die Jahre, aber man muss einfach schreiben. Egal, ob man es in dem Moment gut findet oder nicht, korrigieren kann man es danach immer noch.“ Der Blog hingegen ist für sie eher eine Spielwiese, bei der sie sich auch über Themen wie Inklusion, Politik und Gleichberechtigung auslassen kann. Dort schreibe ihr keiner vor was gut oder schlecht sei. Anstoß dafür war der feministische Blog „Mädchenmannschaft“. Davon inspiriert startete sie 2008 ihren eigenen Blog unter dem Namen „Ninia LaGrande“.

Für ihre weitere Karriere war es eine gute Entscheidung. „Es gibt immer wieder Verlage, die sich durchs Netz wühlen und dann Leute finden, deren Schreibstil sie interessant finden und etwas mit ihnen machen wollen“, weiß Ninia und fügt hinzu: „Es ist sicher eine bessere Vorgehensweise, als überall Manuskripte hinzuschicken.“  Bei der hohen Anzahl an Bloggern gehört allerdings eine große Portion Glück und Talent dazu, um von einem Verlag entdeckt und angesprochen zu werden. Ninia aber hat es geschafft: Im August 2014 kam unter dem Titel „ … und ganz, ganz viele Doofe“ eine Sammlung ihrer Kurzgeschichten und Blogeinträge heraus, in der sie mit viel Humor über ihr Leben als Kleinwüchsige berichtet.

Von Jan Sadler

Foto: Ülkem Topsever

[ssba]