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Brainstorm, Perspektivenwechsel 2

Gesellschaftsdruck Ade – Macht doch einfach was ihr wollt!

„Ihre biologische Uhr tickt“. „Im Studium kann man ja auch wunderbar Kinder bekommen“. „Wir sind zu alt für den Spielplatz“. „Irgendwie heiraten gerade alle um uns herum“. „Ab 25 geht`s eh bergab“. Stopp! Schluss mit dem ganzen Gedränge und in-Schubladen-Gestecke! Endlich aufhören übers Alter zu grübeln und sich nicht das zu trauen, was man will. Nur weil man glaubt, dass man zu alt dazu ist. Denn das kommt immer noch viel zu oft vor!

Hat man die 25 erst einmal überschritten und geht damit auf die 30 zu, herrscht anscheinend noch immer das Gerücht, das man jetzt gewisse Dinge tun müsste. Manche Eltern bekommen bei jedem eventuellen Hinweis die Hoffnung, dass das jetzt tatsächlich ein Heiratsantrag ist – nicht ein (harmloses) Geschenk das einfach nur hübsch und klein verpackt ist. Freundinnen bekommen auch nur beim leisteten Andeuten ihres Alters nach unten hängende Mundwinkel und traurig drein schauende Augen. Warum?

28? 29? 30? Darüber hinaus? Na und ist doch super! Die Gesellschaft übt meiner Meinung nach noch immer einen viel zu großen Druck aus, dass jetzt Kinder, Ehering und die perfekte Karriere her müssen. Natürlich ist es schön, wenn Menschen sich genau das wünschen und das dann auch bekommen. Und natürlich ist es wundervoll, wenn man den Mann fürs Leben bereits gefunden hat. Aber dann heiratet oder bekommt Kinder doch bitte nicht nur, weil die Gesellschaft es euch vorschreibt. Sondern dann, wenn ihr euch selbst bereit dazu fühlt.

Wir sind alle verschieden. Und das ist gut so. Wäre doch langweilig, wenn wir alle nur etwas machen, weil wir glauben, das wäre jetzt angemessen. Bestes positives Beispiel: Mein Papa! Der fragt auch noch mit über 60 im Restaurant, warum nur die Kinder einen Lutscher bekommen und er nicht. Ich bin für mehr nach-dem-Lutscher-Gefrage. Und für mehr „los lass uns auf der Schaukel spielen“. Einfach für mehr Entspannt-Sein im Alter und weniger „Das macht man jetzt so – oder eben nicht“. Und vor allem für weniger Gegrübel übers immer noch verdammt geringe Alter.

Von Julia Anders

Perspektivenwechsel 1

Cochlea-Implantat wider Willen

Cochlea-Implantat; Foto: Lisa P. Schröter

„Die Welt der Hörgeschädigten ist klein.“ Eine Welt, in der sie sich sicher fühlen, verstanden und akzeptiert. In der man sich untereinander kennt und hilft. Doch außerhalb davon, sieht es nicht immer so aus. Obwohl viele Hörgeschädigte ihren Alltag meistern und mit ihrer Situation mehr als gut zurechtkommen, gibt es Skeptiker. Ein Fall aus Niedersachsen zeigt aktuell, wie wenig selbst manche Mediziner von der Lebensrealität gehörloser Menschen zu wissen scheinen und wie Vorurteils behaftet diese „Behinderung“ noch immer ist: Continue reading

Perspektivenwechsel 2

Nackt kämpft es sich besser?

Sexismus in der Videospielbranche:

Ob es der weibliche Spielcharakter mit deutlich zu wenig Rüstung am Körper, die Kellnerin auf einem Gaming-Event mit erotischen Outfits oder die fast ausschließlich an Männer gerichtete Werbung ist – schnell wird deutlich, dass Sexismus in der Videospielbranche nicht mehr von der Hand zu weisen ist.

Zwar hat sich seit den 90er Jahren viel getan und Videospiele werden nicht mehr ausschließlich an ein männliches Klientel gerichtet, dennoch ist vor allem in der Werbung und in Rollenspielen die alte Struktur noch gut zu erkennen.

Statistisch gesehen ergibt solche Werbung einen gewissen Sinn. Es spielen mehr Männer als Frauen Videospiele am PC oder Konsolen. Somit sollte sich die Werbung und auch die Spiele an ein eher männliches Publikum richten. Dennoch gehen hierbei viele Spiele deutlich zu weit und beschränken sich durch die teilweise sexistische Werbung und fragliches Spiele-Design auf ein fast ausschließlich männliches Publikum, was auch aus der Marketingperspektive nicht wirklich gut sein kann.

Ein gutes Beispiel sind vermutlich der Großteil aller Online Fantasy Rollenspiele. Während männliche Charakter in massiven Rüstungen in die Schlacht ziehen und teilweise wortwörtlich Jungfrauen aus Nöten retten müssen, tragen weibliche Charaktere in einigen Spielen nur Unterwäsche aus Metall, um sich vor Pfeilen, Schwerthieben und magischen Geschossen zu verteidigen. Auf die Spitze trieb es hierbei wohl das Rollenspiel Scarlet Blade. Hier hatte der Spieler die Kontrolle über einen Charakter in einer fantastischen Welt – nur, dass alle Charaktere weiblich waren und ausschließlich Reizwäsche als Rüstungen tragen konnten. Dieses wurde 2016 zwar eingestellt und die Server abgeschaltet, allerdings nicht wegen der extrem sexistischen Darstellung weiblicher Charaktere, sondern wegen technischer Probleme in der Lieferung neuer Spielinhalte.

Eine solche Darstellung des weiblichen Körpers und der absolut unrealistischen Rüstungen gilt es mehr als kritisch zu hinterfragen. Die Gamingbranche hat hier noch immer ein klares Problem, mit dem sie endlich fertig werden muss. Egal ob im Spiel, in der Werbung oder auf Messen – Videospiele sollten sich nicht länger nur an Männer oder nur an Frauen richten, sondern allen gleichermaßen Spaß und Freude bereiten können. Es wirft ein trauriges Bild auf männliche Fans der Videospielindustrie, dass Frauen so dargestellt werden und sich diese Inhalte auch noch verkaufen.

Von Tilman Kortenhaus

Perspektivenwechsel 1, Perspektivenwechsel 2

Weg mit der kulturellen Brille!

Für viele wirkt die Armut in Teilen Afrikas auf den ersten Blick abschreckend. Wer sich jedoch mit den Menschen dahinter auseinandersetzt, entdeckt faszinierende Geschichten. Ein Besuch in Namibia.

VON MILENA SCHWOGE

Wer sich vom ersten Anblick Katuturas leiten lässt, den trifft die Hoffnungslosigkeit. Das Meer von Wellblechhütten und Plastikmüll verheißt Elend. Aids, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus sind die ständigen Begleiter der dort Lebenden. Es gibt keinen Strom, fließendes Wasser findet man nur an zentralen Zapfstellen. Übersetzt aus der Sprache der Ovambo bedeutet Katutura: „Ort, an dem wir nicht leben wollen“. Das ehemalige Township in Namibia ist während der südafrikanischen Apartheidpolitik entstanden. Die Schwarzen sollten von der „weißen“ Hauptstadt Windhoek ferngehalten werden, weshalb im Jahre 1959 die Zwangsumsiedlungen begannen.

 

Ein Ort der Begegnung

Doch wer sich nicht von der augenscheinlichen Armut abschrecken lässt und durch die Straßen des ehemaligen Townships fährt, dem eröffnet sich das Leben. Frauen laufen mit ihren Kindern auf dem Arm durch die sandigen Straßen, aus den kargen Blechhütten ertönt laute Musik, Menschen tanzen ausgelassen. In der Luft liegt der fettige Duft von Kapana, auf offenem Feuer gegrillte Rindfleischtreifen. „Braii“, so nennen die Namibier das gemeinsame Grillen. Nahezu alle Bewohner scheinen draußen zu sein, verbringen Zeit mit der Familie. Katutura ist ein Ort der Begegnung, ein Platz für Kreativität und ein Raum für Potential.

Ehrenamtlicher Nachhilfeunterricht

Das hat auch Susanne Berchthold erkannt. Von 8.30 bis 11.30 Uhr widmet sie sich alleinig
den Bedürfnissen der Kinder. Die gelernte Software- Entwicklerin übt mit ihnen in einer der Wellblechhütten Mathe und Englisch. Das macht sie ehrenamtlich. „Mir ist es wichtig, die Kinder zu fördern und sie auf ihre Zukunft vorzubereiten“, sagt sie. In Namibia besteht laut Bildungsgesetz für alle Kinder ab sieben Jahren eine Schulpflicht. Kinder in Katutura erfüllen aufgrund ihres sozialen und familiären Umfelds allerdings oft nicht die notwenigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schulbesuch. Alkoholismus und häusliche Gewalt sind in vielen Hütten des Townships nach wie vor sichtbar, den Kindern mangelt es an Selbstvertrauen und an einem ausgeprägten Sozialverhalten. Bildung ist für die meisten die einzige Chance, um aus der Misere herauszukommen. Dass es funktionieren kann, beweist Berchtold mit ihrem Konzept. „Die Kinder haben großen Nachholbedarf in Mathe. Ich möchte ihnen wenigstens das mit auf den Weg geben, was sie im Alltag immer mal wieder brauchen“, erklärt die Nachhilfelehrerin. Neben den vier Grundrechenarten und dem Lesen liegt es ihr am Herzen , den Schülern wichtige Informationen rund um Themen wie Ethik, Hygiene und HIV zu geben. Ihr Konzept kommt bei den Schülern gut an. Alle sind hochmotiviert. Freudig stimmen sie in den Song ein und wippen im Takt zur Musik, während sie die Rechenergebnisse laut in den Raum rufen. „Bei Susanne verstehen wir den Unterricht“, sagt Alicia. Sie schaut zu ihrer Klassenkameradin Christina herüber. „Man kann sie fragen, wenn etwas unklar ist. Deshalb macht das Lernen auch viel mehr Spaß. In der Schule sind die Lehrer oft schnell genervt“, fügt die Dreizehnjährige hinzu.

IDie Kinder sind dankbar für den ehrenamtlichen Einsatz von Susanne Berchthold. Foto: Milena Schwoge 

Sichtbarer Kulturverlust

Eine ähnlich interessente Entdeckung lässt sich etwa 200 Kilometer entfernt von Windhoek machen. Im Township des  ländlichen Gobabis lebt Hendrik Naoatu. Er gehört zum Volksstamm der San, die als Ureinwohner Namibias gelten. Kleidung aus selbst erlegtem Tierpelz, Feuermachen mit Stöckchen und Fährtenlesen im Sand: So lebten die San einst. Seitdem hat sich in ihrer Kultur einiges verändert. Nur noch wenige Buschleute führen die Tradition fort. Verständigungsprobleme und ein fehlendes Sprachrohr in der Politik führen bei dem ältesten Volksstamm Namibias zu einer Identitätskrise. Viele von ihnen stehen zwischen dem, was war, und dem was ist. „Damals wurde die Kultur jeden Tag gelebt. Inzwischen ist nur noch wenig davon übrig“, bedauert Fritz. Eine Ausnahme bildet lediglich der Tourismus-Sektor, der Reisenden in sogenannten „lebenden Museen“ durch Führungen uraltes Buschmannwissen vermittelt. Die Projekte sind vielversprechend, zumal sie den San als wichtige Einnahmequelle dienen. Der Vater von Hendrik kommt ursprünglich aus Botswana. Von dort wurden er und seine Familie nach eigenen Angaben von der Regierung verdrängt. Zwangsweise wanderten sie in die Kalahari-Wüste. „Ich habe das Jagen noch von meinem Vater gelernt“, erinnert sich der heute 71-Jährige. Während in traditionellen San-Familien die Männer mit Pfeil und Bogen auf die Pirsch gehen, suchen die Frauen nach Früchten und Beeren. Früher aß Fritz das, was die Natur hergab. Manchmal war das ein stämmiger Oryx, manchmal ein graziler Springbock.

Familienvater Fritz Naoatu ist es wichtig, dass seine Kinder das Kulturerbe der San für die kommenden Generationen bewahren. Foto: Milena Schwoge

Zusammen mit seiner Freundin Anna Jims und seiner kleinen Tochter Joanitha
Devine lebt Hendrik Naoatu in der informellen Siedlung in Gobabis. Foto: Milena Schwoge

„Es ist schön, dass sich die Menschen für unsere Lebensweise interessieren. Doch die Touren sind letztendlich nur eine Vorführung, gelebt wird inzwischen anders“, stellt er fest. Oft handelt es sich bei den Darstellern um Stammesmitglieder einer älteren Generation, oder wie Fritz sagt, „alte Männer, die um ein Feuer tanzen“. „Wenn die ausgestorben sind, weiß der Nachwuchs trotzdem nichts über das Kulturerbe unseres Volkes“, gibt er zu bedenken. Seine Söhne kennen die alten Werte der San nur aus den Erzählungen ihres Vaters. Wenn er die Gelegenheit hätte, würde Fritz sein jetziges Leben gegen das frühere eintauschen und sein Wissen an den Nachwuchs weitergeben. Doch er weiß nicht, wo er das tun kann. Fritz‘ Sohn, Hendrik, ist vor wenigen Monaten selbst Vater eines Mädchens geworden. 2012 hat er seinen Schulabschluss an der Johannes Döhren High School gemacht. Darauf ist der 26-Jährige sehr stolz, denn die Anzahl der Schulabbrecher ist unter den San verhältnismäßig groß. Armut und Marginalisierung setzen die Liste der Probleme der Buschleute fort. Neben der fehlenden Lobby in der Politik bemängelt Hendrik auch die nicht vorhandene Anerkennung der traditionellen Stammesführer. Sein Traum ist es, Politikwissenschaften zu studieren. „Damit ich mich dafür einsetzen kann, dass die Bedürfnisse der San von der Regierung wahrgenommen werden“, erklärt er. Hendrik hofft, dass sich die Jugendlichen zusammentun und irgendwann eine aktive Rolle in der Politik des Landes übernehmen“, sagt Hendrik. Fritz ist stolz auf den Weg, den sein Sohn eingeschlagen hat. „Ich sage ihm nur immer, dass er nicht vergessen soll, wo er herkommt.

 

Hinter Gittern

Die meterhohen elektrischen Zäune um teils riesige Anwesen wirken wie Festungen, gebaut von den „Weißen“. Die Straßen in Windhoek sind frei von spielenden Kindern. Generell lassen sich Fußgänger oft an einer Hand abzählen. Das Leben findet hinter Gittern und im Auto statt. Anstatt von den unterschiedlichen Kulturen zu profitieren, bleiben die Menschen in ihrer eigenen Komfortzone. Jeder schaut durch seine eigene kulturelle Brille. Wer jedoch den Kontakt mit Einheimischen sucht und sich fernab von Touri-Bussen in das Armenviertel begibt, der wird belohnt. Denn hinter den irritierten Blicken warten freundliche Menschen mit neugierigen Fragen, die bei einer Begegnung auf Augenhöhe nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten ans Licht bringen.

Perspektivenwechsel 1

„Verpisst euch in euer Land, ihr Ratten!“

Zeynep T.* ist Studentin in Hannover und verbringt ihre Semesterferien jedes Mal in der Türkei, um ihre Familie und ihren Freund zu besuchen. Sie selbst fühlt sich zwar dem Islam zugehörig, sieht ihren Glauben dennoch sehr locker an. Obwohl sie die eigentlichen Stereotype, die manche über Muslime haben, nicht erfüllt, hat sie trotzdem immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen. Continue reading

Brainstorm

„Gender Dings“

„Gender Dings“

Gender einfach erklärt: Die Gleichstellungsbeauftragte Nicole Hendrych hat die Thematik in einem kurzen Trickfilm https://youtu.be/qGX6Ny5ir64 auf Youtube festgehalten.

Was hat es mit Begriffen wie Gender Mainstreaming und Diversität auf sich? Und welche Aufgaben bei der Gleichstellung von Menschen mit unterschiedlichem Geschlecht, Alter, Hautfarbe und Kultur anstehen, all dies wird in dem Video veranschaulicht.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz

Mit Humor zur Aufklärung lautet das Motto des Zeichentrick-Animationsfilms, in der auch mal die Männer wie Indianer weinen. Mit dem Gebrauch des Rollenklischees („Indianer weinen nicht“) räumt das Gender-Mainstreaming-Konzept gründlich auf: „Ich freue mich immer, wenn es Menschen leicht gemacht wird, etwas zu verstehen. Deshalb kam mir die Idee zu diesem kleinen Erklärfilm“, sagt Hendrych zur Neuen Presse.

Wie gemacht für Facebook und Co.

Facebook, Twitter, Youtube usw. kann man durchaus sinnvoll nutzen, so sei dieser Kurzfilm laut Hendrychs wie gemacht für die Sozialen Netzwerke: „Man kann ihn prima teilen, er ist bunt, nicht zu lang und verständlich für alle Altersgruppen“.

Ein viel versprechendes Konzept in Richtung mehr Gleichheit und Frieden und ein nettes Statement am Anfang des Jahres. wll

Brainstorm, Perspektivenwechsel 2

Kein Zoo, keine Panik

„Pass gut auf dein Handy und dein Portemonnaie auf“, rät mir meine Mutter, während ich mir meine Schuhe anziehe. Schon seit ein paar Minuten schaut sie mich sorgenvoll an – als würde ich mich gleich auf den Weg machen, um ein Hochsicherheitsgefängnis voller Straftäter zu besuchen. Mein Weg führt aber lediglich in eine Flüchtlingsunterkunft.

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