Brüssel in 12 Stunden erleben – Ein Abenteuer

Zwei Freundinnen buchen im Winter eine Busfahrt Richtung Europas Hauptstadt. Für 20 Euro geht es hin und zurück, geschlafen werden soll unterwegs. Ob das gut gehen kann und warum heiße Schokolade Leben retten kann erzählt Autorin Nina Räbiger.

Als wir aus dem Bus steigen, nieselt es bereits. Der Himmel ist grau und von Wolken behangen. Und schon jetzt schmerzen meine Füße. Die neuen Schuhe anzuziehen, ist wohl keine gute Idee gewesen. Mein kleiner Zeh fühlt sich gefährlich taub an. Trotzdem kann ich nicht anders, ich muss grinsen. Nach fast acht Stunden Fahrt im Fernbus sind wir endlich an unserem Ziel angekommen: Europas Hauptstadt Brüssel. Es ist der 1. März 2016, ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für einen Kurztrip. Es ist kalt und matschig, der Regen plätschert schon seit Stunden ununterbrochen. Doch ich wollte die letzten Tage meiner Semesterferien nutzen. Es ist schon fast Mittag, also steht für uns fest: Futtersuche!

Belgische Pommes sind berühmt – nicht nur in Brüssel.

Dass dieses Vorhaben nicht gut enden kann, hätte uns klar sein müssen. Zwei Mädels, die schon seit Stunden unterwegs sind und keine Minute ruhigen Schlaf hatten. Ohne Schirm und ohne dicken Pulli. In Deutschland war das Wetter besser… „Woanders ist das Gras immer grüner“, denke ich mir. Mit dem Stadtplan in der Hand marschieren wir los. Der Busbahnhof befindet sich irgendwo im Norden der Stadt, wir wollen ins Zentrum Brüssels. Ohne Bahnticket, nur zu Fuß, wir wollen was entdecken. Der Regen wird schlimmer, die Straßen steiler und unsere Stimmung schlechter. Wir fragen uns, ob es eigentlich immer so ist, dass man nur dann keinen McDonalds sieht, wenn man wirklich Hunger hat.

Waffeln mit belgischer Schokolade – Hallelujah!

Doch mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Nachdem wir uns viermal verlaufen haben, in Wohnvierteln und gruseligen Gassen gelandet sind, erblicken wir den vermutlich schönsten Laden ganz Brüssels: Den erstbesten. Definitiv ein Touri-Spot wie er im Buche steht. Aber hier gibt es Waffeln mit Belgischer Schokolade. Und heißen Kakao. Hallelujah! Wie gut Schokolade schmecken kann und dass Touristen-Läden durchaus cool sein können, haben wir hier gelernt. Eine gute, kräftige, heiße Schokolade wärmt jedes Körperteil wieder auf! Während wir langsam unsere Fingerspitzen wieder spüren konnten, führte ich netten Smalltalk mit den Mexikanern vom Nachbartisch. Ein Pärchen Mitte 40, die ein paar Tage zuvor noch am Schloss Neuschwanstein waren, erzählten von ihrer Europa-Reise. Und sorgten dafür, dass meine Laune und mein Entdeckerdrang stiegen.

Waffeln mit belgischer Schokolade in einem Cafe.

Der Rest des Tages verlief weniger dramatisch. Stück für Stück arbeiteten wir unsere Must-See Liste ab. Grand Place, Manneken Pis, Hard Rock Cafe und Mont des Arts. Zwischendurch machten wir halt an einer Pommesbude (Sauce Andalouse wird den meisten wohl ein Begriff sein – ich kannte sie nicht und bin nun offiziell süchtig danach!). Der stramme Zeitplan den ich im Voraus aufgestellt hatte musste einer Fressroute weichen. Uns war inzwischen so kalt das wir uns von Cafe zu Restaurant zu Bar hangelten. Im Nachhinein keine schlechte Idee, denn besser lässt sich Belgien kulinarisch nicht erkunden. Als dann die Sonne vom Himmel verschwand und die Stadt hell erleuchtet wurde, kauften wir uns noch schnell zwei dicke Pullover und genossen noch einen letzten Spaziergang durch Brüssels Gassen. Andere Leute bummeln und gucken sich Klamotten an. Wir schlenderten nun von Waffel-Shop zu Pralinenlädchen und bewunderten die Kreationen von Chocolatiers und Bäckern.

Der Grand Place in Brüssel bei Nacht.

Als wir uns auf den Rückweg zum Hauptbahnhof machten (diesmal mit der U-Bahn, damit wir uns ja nicht wieder verlaufen), waren wir durchgefroren, aber glücklich. Ein größeres Abenteuer, als eine Stadt an nur einem Tag auf eigene Faust zu erkunden, hätten wir so spontan nicht besser erleben können. Und auf der Rückfahrt im Fernbus schlief ich wie ein Murmeltier.

Fotos und Text von Nina Räbiger

[ssba]