Barcelona – die Stadt der 1000 Bars

Ein kurzer Trip

Da ich meine letzten Sommermonate 2013 in der nordspanischen Region Katalunien ( sp. “Catalunya”) verbrachte und es mich so auch öfters in dessen Hauptstadt, Barcelona, verschlug, kam ich nicht umhin, diese großartige Stadt Ende September noch einmal zu besuchen. (… und es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein.)

Wer Barcelona schonmal gesehen hat, kennt dieses Gefühl: die hohen, schmalen Gassen in stehender, flirrender Hitze, die Fülle und Vielfalt an Menschen, der Pulsschlag der Stadt der dauerhaft zu spüren ist. Immergegenwärtig, das einheitlich-chaotische Bild: Studenten, Skater, Alternative, Künstler, Musiker. Viele, die hier waren, haben dieser Stadt einen Teil ihrer Seele abgewinnen können – und für viele wurde Barcelona für immer zu einem Stück zu Hause, da jeder Besucher -so pathetisch es sich liest- ein Stück von sich dort zurücklässt, um sich die Möglichkeit offen zu halten es irgendwann mal wieder aufzusammeln.

dscn1407Blick über Barcelona vom Museu Nacional d’Art Catalunya aus

Auch mir erging es nicht anders. Es mag im Moment besonders „en vogue“ und kosmopolit wirken, über ferne Metropolen und entlegene Orte so wie “echte Geheimtipps” in einer liebevollen, leicht belehrenden Art zu sprechen, während man mit verklärtem Blick an seinem Lidl-Bio-Weisswein schlürft und geistig der Welt entrückt erscheint. Allerdings trifft dieses Verhalten meist nicht auf Besucher Barcelonas zu.  Diese Stadt verzaubert ihre Gäste über die typischen Sehenswürdigkeiten, wie den Parc Güell, die Sagrada Familia, Camp Nou und die Font Magica hinweg – auf eine andere, nachhaltigere Art und Weise. Besonders, wenn man bereit ist einzutauchen und sich fallen zu lassen.

Als ich mich nun Ende September 2013 an einem Dienstagnachmittag spontan dazu entschied, das Wochenende auf Donnerstag vorzuverlegen und die Uni mal Uni sein zu lassen, wusste ich noch nicht, dass die Stadt mich dieses Mal – im Gegensatz zu meinem Aufenthalt im Sommer, als  ich beruflich dort war – auf eine ganz andere andere Weise vereinnahmen würde.

So buchte ich kurzerhand den günstigsten Flug, den ich finden konnte. Mit einem sogenannten Billigflieger ein Besuch 2 Monate später mit Zwischenstop in Girona und anschließender, eineinhalbstündiger Busfahrt mit insgesamt 80,00 EUR deutlich günstiger gewesen. So waren es 200,00 EUR mehr. Aber ich wollte raus.

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Wenn die Läden in Barcelona geöffnet haben, schmückt neben fast jedem Laden ein geschlossener, kunstvoll vollgesprayter Rolladen die Fassade. Anhand der vielen, verschiedenen Bilder fällt es einem nicht schwer, sich in den engen, sich oft gleichenden Gassen zu orientieren. Allerdings wird einem genau dieser Umstand am Abend zum Verhängnis: Denn abends werden die besagten Rolläden hochgezogen und die dahinter befindlichen Bars kommen zum Vorschein, während die der Läden sich schließen und komplett andere Bilder zeigen. So kann man seine tagsüber sorgsam antrainierten Orientierungspunkte anfangs ziemlich oft über den Haufen werfen.

Alkohol ist, entgegen dem Empfinden vieler Touristen, in Spanien auf offener Straße generell verboten – und obwohl sich die meisten Partygänger auch wirklich auf die Hoheitsgebiete der Bars beschränken, sind einzelne kleine Gassen vor bestimmten Bars in den späteren Nachtstunden so stark frequentiert, dass die Polizei es nicht schafft, diese Regelung durchzusetzen. Zwischen marrokanischen und indischen Straßenbierverkäufern und Graswolken lebt es sich so ganz gut die Nächte durch. Allerdings Achtung! Hier eine generelle Info zum Thema Polizei in Spanien: Im Allgemeinen ist die Polizei, besonders in touristischen Ballungsgebieten eher „Pro-Touri“ eingestellt. In Katalunien kann das anders sein. Solange ihr nur mit Guardia Civil, der Guardia Urbana, Policía Local oder Policía Municipal ist alles in Ordnung. Wenn ihr es allerdings – ähnlich wie bei GTA auf Fahndungsstufe 5 mit der Armee – bis zu den Mossos geschafft habt: Einfach nur noch Befehle befolgen, komplett kooperativ sein und auf keine Fall auf etwaige Rechte oder ähnliches bestehen. Die sind im Recht. Ihr nicht. Ende der Geschichte.

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Zum Essen: Leider gibt es während der Nachtzeiten selten bis gar keine Anlaufpunkte typischer, spanischer Küche. Die meisten Pincho- oder Tapasbars schließen wesentlich früher als die Bars und so kommt es leider viel zu oft vor, dass man sich bei McDonalds oder KFC wiederfindet. Die Katalanen, oder die Spanier im Allgemeinen, haben nämlich ein unglaubliches Faible für Fastfood.

Sowieso sollte man bei der Suche nach gutem Essen zu fairen Preisen die großen, schönen Plätze meiden. Der Placa Reial zum Beispiel (auf dem folgenden Bild zu sehen) ist einer der meist besuchten Touristenhotspots. Hier reiht sich eine “Tapasbar” an die andere. Allerdings haben diese Restaurants so ziemlich gar nichts mit den Bars zu tun, die ich auf Reisen durch das spanische Hinterland kennengelernt habe – sie sind meist sehr teuer und die Portionen sind klein und oft einfach schlecht zubereitet und auch nicht besonders lecker.

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In den ländlicheren Gegenden ist das anders: Hier gilt die Formel: Neonlicht + Plastikstühle +  Edelstahlinventar + Papiertischdecken = leckeres, bodenständiges, frisches Essen. Diese Bars findet man in Barcelona sehr selten, dazu aber mehr in weiteren Artikeln dieser Reihe.

Nach der ersten durchlebten Nacht in Barcelona, kommt es durchaus vor, dass man sich nach einem frischen und / oder nahrhaften Frühstück sehnt. Entweder nimmt man dieses auf die Schnelle in einer der eben beschriebenen “guten” Bars ein.  Eine davon ist zum Beispiel die “Bar Wembley”, direkt unter dem Hostel in dem ich untergekommen bin (Hostel One Barcelona, 40€ für 2 Personen für 3 Nächte – ausserhab der Saison). Hier genießt man dann zum Beispiel ein in Olivenöl angebratenes Graubrot, extra dick geschnitten, mit reichlich Thunfisch, Sardellen, Oliven und Tomate. Dazu gab es bei mir erstklassigen Kaffee americano und einen frisch gepressten Orangensaft. Die Reinkarnation für meinen in Mitleidenschaft gezogenen Magen vom Vorabend.

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Oder man nimmt, je nach Wohnlage, einen „morgendlichen“ Spaziergang auf sich und kehrt in der Boqueria, der Markthalle, ein. ( Metrofahren kann, abhängig vom Zustand des Reisenden, morgens mitunter etwas anstrengend werden. ) Obwohl die Boqueria eines der touristischen Highlights Barcelonas ist, sind die Preise hier völlig in Ordnung. Bestes Beispiel dafür: Selbst die Einheimischen kaufen hier ein. Bevor man die Boqueria allerdings betritt, versorgt man sich am Besten noch vor dem Haupteingang mit einer Tüte voll mit hauchdünn geschnittenem Serranoschinken – 1,50 EUR  das Stück. Mit der Stärkung in der Hand kann es nun losgehen: Der Geruch ist einzigartig. Frische Früchte, Gewürze, frittierter und frischer Fisch, Schinken und Meeresfrüchte mischen sich hier und ergeben eine wunderbare Marktatmosphäre. Zu kaufen gibt es hier alles, was die spanische Küche zu bieten hat: Von fangfrischem Hummer , erhältlich im Mittelkreis der großen, aber überschaubaren Markthalle über frische Kaninchen, Lammkeule bis hin zu allerlei Kuriositäten, wie zum Beispiel Schafsköpfe bekommt man hier alles geboten. Wenn sich bei diesem Anblick allerdings wieder ein flaues Gefühl im Bauch eisntellt und die Tüte mit Serranoschinken inzwischen leer ist, sollte man sich eher der rechten Seite der Halle zuwenden und einen der Fruchtstände aufsuchen. Hier bekommt man frische Smoothies. Einer 1,50 EUR , Zwei 2,00 EUR. Die Geschmacksrichtungen variieren von erfrischenden Varianten bis hin zu kraftspendenden, kräftigeren Ausführungen.

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Nach dieser Stärkung sollte man fit genug für den Resttag sein. Als kleine Wegzehrung kann man sich noch mit frittierten Meeresfrüchten in einer Alu-Schale versorgen – nicht, dass man unterwegs vielleicht doch wieder Hunger bekommt.

Natürlich sind die Hauptattraktionen Barcelonas ebenfalls nicht zu verachten. Jeder, der sich nach ein paar berauschten Nächten ein wenig Ruhe und Zeit zur Regeneration wünscht, empfehle ich einen Besuch der Font Magica. Die Font Magica (der magischen Fontäne) ist, genauer gesagt, nicht eine, sondern eher eine Vielzahl von Fontänen. Diese Wasserspiele findet ihr zu Füßen der Jardins de Joan Maragall, am Placa de Josep Puig i Cadafalch. An dieser Stelle ein Insidertipp: Die Vorstellung, unterlegt mit Musik, beginnt um 21:00 Uhr. Wenn man hier den Tag ausklingen lassen möchte, lohnt sich die Anfahrt von oben, an das Museu Nacional d’Art Catalunya. Von der Treppe des Museums hat man eine atemberaubende Sicht über die gesamten Wasserspiele und über einen Großteil der Stadt. Außerdem sieht man die Sonne wunderschön hinter den Hügeln, die Barcelona umgeben, versinken. Im Sommer geht die Sonne ungefähr gegen 21 Uhr bis ca 21:30 Uhr unter, für gute Plätze sollte man allerdings so ab halb neun vor Ort sein. Keine Sorge: Ihr verdurstet hier nicht. Die illegalen Straßenverkäufer sind eine wunderbar organisierte, allgegenwärtige Mafia aus Cousins und Vettern von gefühlt maximal 3 Familien und lassen euch nie im Stich. (Handeln empfiehlt sich, gerade bei Gruppenbestellungen) .

1p1020294BCN by night – vom Museu Nacional d’Art Catalunya Richtung Bucht

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dscn1462Die Wasserkaskaden der Font Magica vor dem Museu Nacional d’Art Catalunya

dscn1411Sonnenuntergang vom Museu Nacional d’Art Catalunya aus

Der Parc Güell eignet sich dagegen eher tagsüber sehr gut, um dem Trubel der Metropole zu entfliehen. Die wunderschöne, künstlerische Umsetzung eines Traum Gaudis, durch ihn selbst und  Güell, begeistert schon seit Generationen seine Besucher. Außerdem ist der Blick über die Stadt in die Bucht von Barcelona auch von hier phänomenal und eines der bekanntesten Bilder von Barcelona.

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dscn1289Blick über Barcelona vom Park Güell

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p1010789swHalle der 100 Säulen

1p1010786Deckenmosaik in der Halle der 100 Säulen

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Ich hoffe, euch hat dieser kurze Trip nach Barca gefallen. In den folgenden Artikeln werde ich nochmal in kürzerer Ausführung auf einige ziemlich coole Locations in Barcelona eingehen. Die echten Insidertipps – besonders was Essen und Getränke betrifft.

Ach und noch etwas: Am Anfang bemerkte ich ja, dass mich dieser Barcelonatrip auf eine andere Weise einnehmen würde als der letzte… Das hat er tatsächlich. Ich traf am Samstagabend meines Auftenthals eine Bekannte– ich hatte Jahre nichts von ihr gehört. Gegen halb eins in der Nacht fand ich mich dann leicht angetrunken, bei einem ebenso leicht angetrunkenen Tattoowierer ihres Vertrauens, wieder. Das Ergebnis war überraschend gut. Wir sind mit dem Tätowierer dann noch in irgendeinen superdunklen, aber sehr angenehmen Minimalclub / Bar gezogen, bis ich, nach 2 1/2 Stunden Schlaf, am nächsten Morgen mit deutlicher Verspätung in meinem Hostelzimmer erwachte. Eine dreiviertel Stunde später ging mein Flieger. Aber im Prinzip hatte ich mir genau das erhofft – ein paar Momente für mich – außerhalb des Alltags.

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Von Jochen Heimann

Bildquelle: Jochen Heimann

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