Axel Düker: „Für Deutschland kann es wirklich ein Gewinn werden“

 Der Bürgermeister aus Burgwedel, Axel Düker, hat sich am 24.11.2015 im Rathaus zum Thema Flüchtlinge geäußert. Er kümmert sich in einer Zusammenarbeit mit Jobcenter, ehrenamtlichen Helfern, der evangelischen und katholischen Kirche und anderen amtlichen Behörden um die Unterbringung, Integration und Arbeitsbeschaffung für die Flüchtlinge in Burgwedel. „Das ist ein ganz enges Netzwerk, welches nicht nur in Großburgwedel stattfindet, sondern auch in den einzelnen Stadtteilen“.

Derzeit bewohnen 60 Flüchtlinge die frühere Seniorenresidenz des Klinikums Region Hannover. „Die Flüchtlinge wohnen jetzt zu zweit oder zu dritt in den einzelnen kleinen Appartements. Sie haben dort ihre eigene Küchenzeile, ihr eigenes Badezimmer und es gibt dort noch einen großen Gemeinschaftsraum, der zu Begegnung genutzt wird“, äußert sich Düker zu der Wohnsituation der Flüchtlinge. Stand November gibt es im Großburgwedel 137 Asylbewerber. Das sind viel mehr Menschen, als der Stadt Unterkünfte zur Verfügung stehen. Trotzdem ist der Bürgermeister überzeugt, dass der Ansturm von Flüchtlingen viel für das Land mit sich bringt: „ Für Deutschland kann es wirklich ein Gewinn werden“. Denn die Stadt Burgwedel steht nicht allein da. Eine starke Unterstützung erhält sie von den Seiten der Einwohner. Diese beteiligen sich stark an der Obdachgebung für Flüchtlinge. Die Einwohner stellen den Flüchtlingen auch Kleidung und Fahrräder zur Verfügung. Durch die Geldspenden der Bevölkerung lassen sich auch Sprachkurse, die von Ehrenamtlichen in Kooperation mit der Volkshochschule für Flüchtlinge angeboten werden, finanzieren. Genauso wie andere Ausstattungen, wie zum Beispiel eine Wickelauflage für ein Kleinkind oder ein Schreibtisch für ein schulpflichtiges Flüchtlingskind, die dringend gebraucht werden. Die Stadt Burgwedel bezieht dabei Geldmittel zur Unterstützung von Flüchtlingen vom Land und vom Bund. Damit werden alle entstehenden Kosten für die Unterbringung über die Region abgewickelt und gedeckt. Das Verfahren ist also recht kompliziert. Lässt sich aber folgendermaßen veranschaulichen. Wenn eine Wohnung für Flüchtlinge angemietet wird, kann man genau ausrechnen, wieviel Quadratmeter Wohnraum dort für die einzelne Person zur Verfügung gestellt werden. Die Mietkosten für die Räumlichkeiten werden dementsprechend bei der Region Hannover abgesetzt. Soll zum Beispiel eine Wohnung nach der Anmietung noch etwas hergerichtet werden, indem Malerarbeiten durchgeführt oder ein Teil der Küche und ein Herd angeschafft werden, so sind diese Kosten über weitere Kostenträger absetzbar. „Wenn die Flüchtlinge später einen anerkannteren Status bekommen, dann haben sie auch die Möglichkeit, Mittel über das Jobcenter für eine eigene Wohnung zu beantragen“, erklärt der Bürgermeister.

Die Flüchtlinge sind sehr dankbar, dass wir sie nach unseren besten Möglichkeiten probieren unterzubringen und sie geben auch selber viel zurück“

Ihre Integration nehmen die Flüchtlinge auch selber in die Hand, denn sie möchten sich so schnell wie möglich an die Hürden des Alltags anpassen. So beteiligen sie sich aktiv an Deutschkursen, helfen in der Tafel sowie auch in der Kleiderei mit. „Auf unserem Bauhof arbeiten momentan vier Flüchtlinge als Ein-Euro-Kräfte mit. Wir haben einen Flüchtling, der im Klärwerk arbeitet. Mittlerweile hat man ein paar nette Kollegen unter ihnen gefunden“, sagt der Bürgermeister zufrieden. Viele Firmen suchen zudem gezielt nach qualifizierten Flüchtlingen, um sie im handwerklichen und helfenden Bereich beschäftigen zu können. „Die Flüchtlinge sind sehr dankbar, dass wir sie nach unseren besten Möglichkeiten probieren unterzubringen und sie geben auch selber viel zurück“, äußert sich Düker. So hat ein Flüchtling ein Konditoreigeschäft „Café Adam“ vor seiner endgültigen Schließung gerettet. Denn das Konditoreigeschäft konnte einfach keinen Nachfolger finden. Und ein Flüchtling namens Adam wollte ausgerechnet Bäcker und Konditor werden und hat in dem Betrieb eine Lehre angefangen. Mittlerweile fährt er seit eineinhalb Jahren, bei Wind und Wetter nachts um drei mit seinem Fahrrad zu seiner Backstube. Die Flüchtlinge helfen sich aber auch gegenseitig. Die Werte Engagement und Solidarität stehen bei ihnen an erster Stelle. So wird gemeinsam eingekauft und gekocht. Zusammen meistern sie die Behördengänge und geben einander Auskünfte über den Busfahrplan.

„Die Menschen haben viel Hoffnung in Deutschland, und auch in das Europa insgesamt“

Der Bürgermeister ist sich sicher, dass Deutschland im Stande ist, sowohl aus der finanziellen als auch aus der logistischen Sicht, Flüchtlinge aufzunehmen: „Ich halte es für völlig legitim, dass man versucht, sich eine Zukunft aufzubauen in einem Land, in dem man gute Hoffnungen hat. Und die Menschen haben viel Hoffnung in Deutschland, und auch in das Europa insgesamt.“ Auf die Frage, warum in Umfragen sich über 40 % der Deutschen äußerten, dass Deutschland nicht mehr im Stande sei, weitere Flüchtlinge aufzunehmen, verweist der Bürgermeister auf die Unwissenheit über die Situation und die mangelnde Vorstellungkraft von der Seite der deutschen Bevölkerung. Als einen weiteren Grund nennt er Ängste, welche aus der Vergangenheit mitgebracht wurden. Aus ehemaligen Situationen, in welchen Deutschland auch viele Flüchtlinge aufnehmen musste: „Manche haben vielleicht auch einfach diffuse Angst vor dem eigenen Verlust. Sehen sich womöglich in der Gesellschaft etwas zurückgesetzt, was sie aber in der Regel nicht sind.“

Laut Bürgermeister Düker werden nicht alle Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sich hier dauerhaft eine Zukunft aufbauen können, und einige werden wieder in ihre Heimat zurückgehen. Es können auch nicht alle flüchtenden Menschen, die einen Asylantrag stellen, diesen positiv bescheinigt bekommen. Doch der Bürgermeister von Burgwedel ist voller Optimismus: „Ich glaube, dass insgesamt eine ganze Menge Leute hierbleiben wird.“

Von Natali Dilmann

[ssba]