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Brainstorm

So essen wir 2030

Wie wäre es, wenn der Kellner schon vor dem Kunden wüsste, was er zu trinken bestellen möchte? Wie sehen die Lieferketten der Zukunft aus? Wie funktioniert nachhaltige Gastronomie? Wird der Social Media Auftritt für Restaurants immer wichtiger? Mögliche Antworten auf diese Fragen fand man auf der Re:publica in Berlin. Vom zweiten bis zum fünften Mai hat sich bei Gastronomen und Visionären alles um das Thema Digital Foods gedreht. Wir waren vor Ort und haben uns die Ideen der Food Branche mal etwas genauer angeschaut. Continue reading

Brainstorm, Journalismus

Griechenland aus journalistischer Perspektive

Griechenland und der unschöne Titel „Pleitegeier“ sind in den Köpfen vieler Leute nahezu untrennbar. Ein Land welches sich gewissermaßen in einem Ausnahmezustand befindet. Das wird deutlich, wenn man sich die Wirtschafts- und Finanzlage ansieht. Doch wie ist es wirklich vor Ort? Wie können deutsche Journalist*innen dazu beitragen, dass ein differenzierteres Bild entsteht? Indem sie selbst nach Griechenland gehen zum Beispiel!

Doch wie hat alles angefangen?

Im Jahr 2008 verlor Griechenland 42 Prozent seiner Wirtschaftsleistung. Das hat es laut dem IWF (Internationalen Währungsfonds) in diesem Ausmaß noch nie gegeben. Gut 20 Prozent der griechischen Haushalte waren Ende 2015 mit ihren Steuerzahlungen im Rückstand. Und das sind nur wenige Zahlen, wenn es um die Finanzkrise in Griechenland geht. Aus der eigenen Krise entwickelte sich ein Strudel voller Schulden, aus dem das Land bisher nicht herausgekommen ist. Die hohe Arbeitslosenquote (24 Prozent) vertreibt einige Griechen aus ihrer Heimat.

Doch wie kann es sein, dass die Griechen trotzdem noch lachen und tanzen? Ihr Herz schlägt einfach für ihr Hellas. Ihr Stolz ist zu groß, als dass sie sich ganz klein machen würden. Eine Mentalität mit Herzblut herrscht in dem Land der Hellenen. Und genau das ist faszinierend und beeindruckend. Diese gesunde Einstellung gegenüber dem Leben hält dennoch die meisten Einheimischen eben dort an Ort und Stelle, in ihrer Heimat.

Auch für junge Journalist*innen ist dies ein Land der Geschichten. Das Interesse nach Griechenland auszuwandern besteht nach wie vor und ist auch nicht die schlechteste Entscheidung. Sonne, Strand und Meer, ja so stellt man sich das Land vor, aber der Alltag sieht natürlich anders aus. Wie die Arbeit vor Ort aussieht schildern euch drei Journalist*innen, die ihren Weg nach Griechenland gefunden haben.

Auslandskorrespondenz in Griechenland

Traumberuf Korrespondent*in? Für den Quereinsteiger Florian Schmitz trifft das zu, auch wenn es kein leichter Weg war, beziehungsweise ist. 

Alles fing mit einem Blog an. Der gebürtige Ruhrgebietler ist ein Quereinsteiger in Sachen Journalismus. Florian merkte schnell, dass freie Meinungsäußerung und seriöser Journalismus zweierlei Dinge sind. Schließlich fing er an sich über seine Arbeit als Blogger Gedanken zu machen und strebte dabei das Ziel des professionellen Journalismus an. Heute arbeitet er in Thessaloniki und berichtet als Korrespondent für namenhafte Medienunternehmen. Dabei sind ihm gesellschaftskritische Themen wichtig. Darüber hinaus berichtet er unter anderem über Filmfestivals, griechische Kultur und Geflüchtete. Eine besondere Begegnung beschreibt er in seinem Buch „Erzähl mir von Deutschland, Soumar“. Darin schildern Florian und sein neuer Freund Soumar, wie sich ihre Freundschaft entwickelt hat.

Wie finde ich Themen, die interessant sind?

Florian schöpft seine Ideen meist aus den Gesprächen mit Personen, die er spontan beim Einkaufen anspricht. Nur so wisse man, was die Leute bewegt. Das ist einer seiner wichtigsten Tipps für angehende Journalist*innen.

Praktikum in Athen

Madlien aus Hannover hat, während ihres Journalistik-Studiums, ein Praktikum bei der Griechenland Zeitung in Athen absolviert. Ihre Erlebnisse hat sie für euch zusammengefasst. 

Als ich mich während des Studiums um einen Praktikumsplatz kümmern musste, kamen nicht allzu viele Optionen für mich in Frage. Schließlich hatte ich genaue Vorstellungen, welche Art von Journalismus mich interessiert: Printjournalismus! Die Auswahl an deutschsprachigen Medien im Ausland ist recht groß, so habe ich Bewerbungen unter anderem nach Prag, Budapest und Athen geschickt. Als die Zusage der Griechenland Zeitung (GZ) in meinem E-Mail-Postfach landete, war ich erleichtert und froh zugleich. Zum einen, weil ich einen guten Praktikumsplatz gefunden hatte und die E-Mail-Korrespondenz mit der Redaktion entspannt und ohne Probleme ablief. Zum anderen, weil ich wusste, dass ich mich dort wohlfühlen würde. Denn bereits einige Jahre zuvor habe ich Urlaub in Hellas gemacht und die griechische Mentalität, wie auch die Lebensweise, sehr zu schätzen gelernt. 

Die GZ ist eine deutschsprachige Wochenzeitung mit Redaktionssitz in Athen. Ziel der Zeitung ist es, Nachrichten und kulturelle Beiträge, die sonst nur in der Landessprache veröffentlicht werden, für deutschsprachige Personen zugänglich zu machen. 

Das Leben in Athen ist, je nach Ansprüchen, beispielsweise mit dem BAföG-Höchstsatz sehr gut zu bestreiten. Wer sich im Vorfeld einen Überblick über die Wohnungsoptionen verschafft, sollte keine Probleme haben eine günstige und gut gelegene Unterkunft zu finden. Grundsätzlich würde ich Wohngemeinschaften mit Griech*innen empfehlen, so bekommt man Einblicke in die Kultur und Mentalität, die sonst vielleicht verborgen bleiben. Ich habe die Menschen in Griechenland als offen, entspannt und warmherzig empfunden. Athen ist eine wunderbare Stadt, die kulturell und geschichtlich so viel zu bieten hat, dass selbst einige Monate nicht ausreichen, um alles zu entdecken. 

Dennoch hat jede Medaille zwei Seiten. Die Krise ist nach wie vor in vielen Bereichen präsent. Drogen, Obdachlosigkeit, politische Faust- und Verbal-Kämpfe etc., sind keine Seltenheit. Durch die Arbeit bei der GZ habe ich viele Einblicke bekommen können. Da ich in meiner Themenwahl glücklicherweise sehr frei war und grundsätzlich von der Redaktion ermutigt wurde, habe ich mir bewusst Themen ausgesucht, die ich persönlich als wichtig erachte und über die ich mehr wissen wollte. So durfte ich beispielsweise Unterkünfte für Geflüchtete besuchen, Organisationen begleiten, die Spenden sammeln und Menschen kennenlernen, die sich von Deutschland aus für Griechenland einsetzen.

Egal ob Griechenland oder ein anderer Ort, ich würde jedem*r empfehlen, den Schritt zu wagen und die Komfortzone hinter sich zu lassen. Sei es für ein Praktikum, ein Projekt oder Freiwilligenarbeit, der Mehrwert für die persönliche Entwicklung ist enorm.

Journalismus in Griechenland

Elisa Hübel ist Deutsch-Griechin und Journalistin in Athen. In einem kurzen Interview erzählt sie, wie sie zu dem Beruf gekommen ist und was daran besonders ist. 

Würdest du uns bitte einen kurzen Überblick über deine journalistische Laufbahn geben und für welche Medien du in welchem Verhältnis gearbeitet hast. 

Angefangen hat das Ganze während der Olympischen Spiele in Athen 2004. Damals haben ZDF und ARD Stringer gesucht, also Personen die mehr oder weniger als Fahrer, Dolmetscher und vor allem für Journalisten tätig sein sollten. Ich hatte das Glück mit einem kleinen Kamerateam vom ZDF in Athen zusammen arbeiten zu dürfen und hatte dadurch Gelegenheit, bei der Berichterstattung der Sportwettveranstaltung, in die journalistische Arbeit reinzuschnuppern. 

Zuvor hatte ich als Schülerin bei der deutschsprachigen „Athener Zeitung“ ein zweiwöchiges Praktikum gemacht. Parallel zu meinem Studium in Athen habe ich bei deren Nachfolgerin, der „Griechenland Zeitung“, sowie beim fremdsprachigen Radiosender der Stadt Athen „Athens International Radio“, als Journalistin gearbeitet. Nebenbei habe ich an manchen Abenden bei einem kleinen Fernsehsender ehrenamtlich eine abendliche Nachrichtensendung komoderiert. 

Beim Ausbruch der griechischen Finanz- und Wirtschaftskrise im Frühling 2010, war ich eine angehende Journalistin mit guten Deutschkenntnissen. Die Neue Züricher Zeitung aus der Schweiz hat damals einen Korrespondenten beziehungsweise eine Korrespondentin gesucht. Sie sind schließlich auf mich und meine Arbeit aufmerksam geworden. Für sie habe ich bis 2016 als Korrespondentin aus Athen gearbeitet. Zurzeit bin ich als Journalistin bei der Griechenland Zeitung festangestellt. 

Was unterscheidet den Korrespondent*innen-Beruf von dem „journalistischen Beruf vor Ort“? 

Als Korrespondentin habe ich von meinem Wohnort Athen aus gearbeitet. Also hat es für mich keinen Unterschied zum „journalistischen Beruf vor Ort“ gemacht.  

Was macht die journalistische Arbeit in Griechenland besonders?

Meine Arbeitserfahrung beschränkt sich – mit Ausnahme eines dreimonatigen Praktikums beim ORF in Salzburg – auf Griechenland. Ich denke besonders war in den letzten Jahren, dass das Land einen riesigen Umbruch erlebte, den man auch journalistisch widerspiegeln musste. Da war manchmal sehr viel zu tun: Oft überschlugen sich die Ereignisse. 

Was sind deine Themenschwerpunkte?

Ich würde sagen mein Themenschwerpunkt ist Griechenland generell. Ich schreibe sehr viel über Politik und Tourismus, aber auch Kultur und Wirtschaft – alles in und über Griechenland. 

Hast du neben deiner Hauptbeschäftigung noch andere journalistische Projekte zum Beispiel ein Buch oder ähnliches, denen du Zeit schenkst? 

Neben meiner oben beschriebenen journalistischen Tätigkeit schreibe ich Reisebücher über Reiseziele in Griechenland für die Verlage DuMont und Marco Polo, beziehungsweise beschäftige ich mich mit der Aktualisierung von Büchern vor Ort.

Wie kritisch kann man sich als Journalist*in in Griechenland äußern? (in Bezug auf Politik, Wirtschaft etc.) 

Sicherlich ist Pressefreiheit weltweit ein Thema. Auch in Griechenland gibt es unabhängige Zeitungen, wie etwa die Griechenland Zeitung, für die ich schreibe. Da gibt es im Prinzip keine Einschränkungen für die journalistische Meinung und Berichterstattung. 

Etwas besorgt hat mich, dass in Griechenland einige der größten Medienkonzerne an einzelne Privatpersonen verkauft worden sind. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass einige Medien benutzt werden sollen, um andere geschäftliche Interessen zu forcieren. 

Inwieweit entspricht die deutsche Berichterstattung über Griechenland der tatsächlichen Lage im Land?

Einige deutsche Medien haben vor allem zu Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise äußerst negativ über Griechenland berichtet. Die Rede ist unter anderem von „faulen Griechen“ gewesen, „die ihr Land verkaufen“ sollten. Ich denke schon, dass es damals in Deutschland aufgrund solcher Berichterstattungen eine schlechte Stimmung gegenüber Griechenland und den Griechen gegeben hat.

Seither hat sich jedoch die Situation verbessert und auch deutsche Medien berichten, so objektiv es geht, über die tatsächliche Lage in Griechenland.  

Hast du Tipps für angehende Journalist*innen, die sich in Griechenland versuchen wollen?

Ich habe einen Tipp für angehende Journalisten generell: Du musst den Beruf lieben und dafür leben. Wenn du es für Geld oder Ruhm tust, wirst du nicht glücklich.

Tipps die unbedingt ins Reisegepäck gehören

Abschließend haben wir noch einige Tipps von Florian, Madlien und Elisa für alle reisefreudigen Journalisten, die gerne im Ausland arbeiten wollen. 

Grundvoraussetzung: Das Wichtigste ist die Leidenschaft für den journalistischen Beruf. Zudem sind Neugier und Offenheit dem gewählten Land und den Leuten gegenüber unabdingbar.

Anpassung an die jeweilige Kultur: Improvisation und Flexibilität gehören zum journalistischen Alltag dazu. Andere Kulturen und Traditionen sind länderbezogen zu beachten und ermöglichen neue Blickwinkel und Arbeitsweisen.

Sprache: Deine Englischkenntnisse sollten gut sein. Die Landessprache musst du nicht unbedingt beherrschen, aber ein paar Basics in der Landessprache bringen Sympathie-Punkte zum Beispiel bei Interviewpartnern und Kolleg*innen.

Bleib kritisch!: Informiere dich über die aktuelle politische Lage und das System des jeweiligen Landes und entwickle eine eigene kritische Sichtweise.

Netzwerk aufbauen: Suche Kontakt zu Einheimischen zum Beispiel beim Einkaufen oder in Bars.

Fragen stellen!: Bleibe neugierig und hake stetig nach.

Weiterverwertung: Verwende dein Material nicht nur für eine Story, sondern denke weiter. „Kann ich einen Aspekt aus meinem Interview auch noch weiter ausbauen und es vielleicht einem Radiosender anbieten?“.

Darüber hinaus solltet ihr euch im Vorfeld Gedanken über eure Krankenversicherung und das länderspezifische Gesundheitssystem machen. Zudem ist möglicherweise ein Visum nötig und auch finanzielle Gegebenheiten sollten im Voraus bedacht werden. Informiert euch über mögliche Stipendien und dergleichen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Gruppenarbeit für den Kurs „International Journalism“ der Hochschule Hannover entstanden.

Alle Fotos von Madlien Wienberg, Video von buten un binnen

Journalismus

Über die Grenzen hinaus: Crossborder Journalism

Merkel trifft die G7 in Kanada, die Fifa freut sich auf die WM-Einnahmen aus Russland und der deutsche Volkswagen wird in den USA verklagt – die Welt ist global geworden und Politik, Wirtschaft, ja selbst Kriminalität operieren längst weltweit. Der Journalismus kann und darf dabei nicht untätig zusehen: Die Zahl der Journalisten, die über Ländergrenzen hinweg zusammen arbeiten, steigt stetig. Und die Pioniere des Crossborder Journalism haben eine erstaunlich große Durchschlagkraft.

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Journalismus

Happy Vesak: Buddhisten feiern in Hannover

Von Emely Schalles

Das Vesak-Fest gilt als das wichtigste buddhistische Fest und findet traditionell am ersten Vollmondtag im Mai statt. Auch das buddhistische Kloster in Ahlem hat sich lange darauf vorbereitet und öffnet seine Tore für Interessierte.

Das Treffen

Die Sonne strahlt bereits seit dem frühen Morgen. Dutzende Autos sammeln sich vor dem Ahlemer Turm, einem denkmalgeschützten Fachwerkgebäude. Die Kennzeichen stammen aus ganz Niedersachsen und noch weiter aus Deutschland. Das Vesak (auch Vesakh oder Vesakha) ist zugleich Buddhas Geburtstag, der Tag seiner Erleuchtung und seines Eintretens in das Nirvana. Damit alle Zeit haben, wird der Feiertag in Deutschland oft auf das Wochenende vorgezogen. Viele Mitglieder des Vereins Wat Dhammavihara sind in Gruppen oder mit der ganzen Familie angereist. Jeder hat mindestens eine Tupperdose mit selbstgemachtem Essen dabei. Manche tragen auch Körbe mit Blumensträußen bei sich. Es sind Spenden für die insgesamt acht Mönche. Sie leben im Tempel und gehören der ältesten Schultradition, dem Theravada Buddhismus an.

Seit 2007 ist die Gemeinde im Ahlemer Turm

Die meisten Buddhisten hier stammen aus Thailand. Überall hört man Begrüßungen auf thailändisch. Auf dem Hof werden bereits weiße Zelte und Stände mit Holztischen und Bänken aufgebaut, hier wird mittags das Fest stattfinden. Die Türen stehen offen, jeder kann ein- und ausgehen. Im Inneren des Hauses helfen die Gläubigen dabei, zu decken und zu dekorieren. Ein edles Esszimmer in Gold-, Rot- und Orangetönen wird für die Mönche hergerichtet. Eine große Tafel ist vollkommen bedeckt mit Schüsseln, Tellern und Platten, sodass die Decke kaum noch sichtbar ist. Alle möglichen Sorten Obst und Gemüse, Fleisch, Reis, Suppen und Salate sind aufwendig hergerichtet und verziert. Normalerweise dürfen die anderen Mitglieder erst essen, wenn die Mönche fertig sind. Im Wat Dhammavihara nimmt man etwas lockerer mit dieser Regel.

Was übrig bleibt, wird an die Mitglieder vergeben

Die Zeremonie

Um 11 Uhr beginnen die Mönche das Beten zusammen mit den Nonnen und den anderen Gläubigen. Tambun-Wan Visakha Bucha heißt die Zeremonie auf thailändisch. Alle lassen ihre Schuhe vor der Tür, das ist in Thailand üblich um die Böden nicht zu beschmutzen. Der Gebetsraum ist ausgestattet mit rotem Teppichboden. Es gibt keine Tische oder Stühle. Nur einige Plastikstühle stehen an der Seite. Die Decke des Saals ist mit geschnitztem Holz vertäfelt und mit vielen auffälligen Kronleuchtern behangen. Die Mönche sitzen in einer Reihe auf einer Erhebung am Ende des Raums. Sie haben sich die Köpfe kahlrasiert und tragen das traditionelle safranfarbene Gewand. Hinter ihnen glänzt eine mächtige goldene Buddha-Figur. Sie sprechen das Gebet wie in Trance und strahlen dabei die gleiche Ruhe aus wie die Statue selbst. Ein Buch zum Mitsprechen und -singen braucht niemand, jeder kann die Texte auswendig. Im Chor und mit geschlossenen Augen folgen die Gläubigen dem Gebet. Ab und zu beugen sie sich vor und falten die Hände vor ihrer Stirn.

Teddybären für Mönche

Nach dem Gebet kann jeder aufstehen und seine Spende persönlich überreichen. Die Mönche haben ein Stück Stoff in der Hand um auch Geschenke von Frauen annehmen zu können. Da sie enthaltsam leben, dürfen sie sie nicht berühren. Unter den Spenden findet sich von Nützlichem bis zu Kuriosem nahezu alles. Es gibt Wasserkisten, Mehl, Gewürze, Medikamente, Blumen und sogar Teddybären. Allerdings sind Letztere nicht für die Mönche selbst bestimmt. Sie kommen bei dem nächsten Fest mit Tombola zum Einsatz, als Hauptgewinn. Bei vielen Festen soll es außer dem religiösen Teil auch Spiele und Aktionen geben, damit es den Mitgliedern und besonders ihren Kindern nicht langweilig wird. Auch Sträuße mit Geldscheinen wurden gebastelt. Das komme daher, dass man früher noch Stoff im Wald versteckte, damit die Mönche sich daraus ihre Gewänder nähen konnten. Heute macht man es ihnen leichter.

Ein Mönch im Baumarkt

So reich beschenkt und mit Speisen bedient werden die Mönche allerdings nicht immer. In Ihrem Alltag leben sie genügsam. Sie dürfen zum Beispiel keinen eigenen Besitz haben und leben vollständig von Spenden. Die Mitglieder kommen gerne mit Essen und Geldspenden vorbei oder laden die Mönche zu sich ein. Was im Monat übrig bleibt, komme meist dem Verein zu Gute. Im Kloster stehen verschiedene Spardosen. Jeder könne selbst entscheiden, ob er zum Beispiel für Strom, Wasser, Essen oder Reisen spenden möchte. Es sei üblich im Buddhismus, Gutes für andere zu tun und sich um seinen Nächsten zu kümmern. Dafür würden die Mönche beten und sich um den Tempel kümmern. Sie erfüllen aber auch so manch unerwartete Aufgabe. Napaporn Wollny ist als Vertreterin ihrer Gemeinde tätig und beschreibt den typischen Tagesablauf im Kloster.

Draußen ist das Fest inzwischen in vollem Gange. Die Mönche verlassen nach dem ersten Teil der Zeremonie gemeinsam das Gebäude. Sie haben silberne Schalen in den Armen und werden gleich dem Teppich folgen, noch immer in Socken, der für sie bereit liegt. Draußen stehen die Nonnen in einer Reihe, gekleidet in weiß, um diese mit Reis zu füllen. Es ist ein symbolisches Geben, jeder gibt einen Löffel dazu. Nach den Nonnen stehen auch andere Mitglieder, Familien und Kinder in der Reihe.

Das Fest

Rosen und Stiefmütterchen wurden überall auf dem Hof für das Fest gepflanzt. Auch alle Stände sind nun vollständig aufgebaut. Das Essen ist kostenlos, wer möchte lässt ein paar Münzen da. Es gibt original thailändisches Essen, dazu gehört zum Beispiel grünes Curry, gebratener Bambus mit Limonenblättern, Hühnchen und frittierten Fisch, scharfe Gemüsepfannen mit Erdnuss und Garnelen und Süßspeisen aus Kokosmilch, Pudding und Maiskörnern. Jeder hilft mit, viele haben ihre Kinder dabei. Die Leute stehen bereits Schlange und warten auf den ersten Teller von dem aufwendigen Buffet. Das Vesak wirkt ein wenig wie eine große Gartenparty oder ein Familienfest. Nicht-Gläubige sind ebenfalls herzlich wilkommen. Manchmal kämen auch Bewohner des nahegelegenen Asylantenheims, um teilzunehmen, so Wollny. Auch wer sich nicht kennt, kommt sofort ins Gespräch. Schlechte Laune gäbe es an diesem Tag nicht.

Am Ende der Zeremonie umrunden die Mönche dreimal die Buddha-Figur im Tempel. Sie ehren den Religionsbegründer, der ein Mensch war und kein Gott, mit Blumenopfern und erinnern so an die eigene Vergänglichkeit, wie Blumen die verwelken. Auch im nächsten Monat wird ein großes Fest stattfinden, mit Tänzen, Essen und Gebeten. Feiern tun die Buddhisten des Wat Dhammavihara gerne. Das habe neben der religiösen Bedeutung auch den Hintergrund, dass so viele Spenden für den Ahlemer Turm und die Gemeinde zusammen kämen.

Wir möchten, dass die Leute uns kennenlernen

Die Neugier von außen sei groß, erzählt Napaporn Wollny. Sie organisiert Treffen und Führungen durch den Ahlemer Turm, unter anderem für Schulklassen. Sie heißt jeden gerne wilkommen und freut sich stets über Interessierte. Es komme allerdings vor, dass manche Menschen die den Buddhismus kennenlernen möchten, ihn nur als Trend wahrnehmen und sich weniger mit dem Glauben beschäftigen. Das, erklärt sie, möchten die Buddhisten vermeiden.

Fotos: Emely Schalles