Nicole Schweitzer

Brainstorm, Perspektivenwechsel 1, Perspektivenwechsel 2

Aufreger der Woche: Sind Hennes und Mauritz rassistisch?

Für die Modekette H&M (Hennes und Mauritz) hagelt es derzeitig Kritik von allen Seiten: „Rassisten! Schämt euch! Das ist widerwärtig und unverantwortlich“, heißt es unter anderem in einer Vielzahl von Kommentaren als Reaktion auf ein fragwürdiges Produktbild des Modelabels.

Das Produktbild zeigt einen farbigen Jungen in einem grünem Hoodie mit der Aufschrift „Coolest Monkey in the Jungle“ und sorgt derzeit für eine riesige Protestwelle. Viele Kritiker sehen die Problematik in dem Vergleich, Farbige mit Affen gleichzusetzen.

Viele erinnern sich dabei unwillkürlich an das Rassenbild der 50er-Jahre. Ein User postete dazu ein Foto aus dem Jahr 1958, auf dem ein kleines afroamerikanisches Mädchen in einem sogenannten „Menschenzoo“ in Belgien zu sehen ist. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte bleibt bei diesem Fallbeispiel nicht aus. Zieht das Produktfoto von H&M die Geschichte absichtlich ins Lächerliche oder versucht, diese zu verharmlosen?

Dass der Millionenkonzern ausgerechnet ein farbiges Kind mit dem Hoodie „Coolest Monkey In The Jungle“ ausstattet, ist  zugegebenermaßen mehr als unglücklich gewählt. Es ist durchaus zu bezweifeln, dass ein derartiges Foto völlig zufällig, unreflektiert und unabsichtlich entstanden ist. Das H&M sich aber tatsächlich völlig beabsichtigt so rassistisch zeigt, ist ebenso unrealistisch. Immerhin hat der Konzern viele Kunden auf der ganzen Welt. Könnte es sich hier vielleicht sogar um einen bewusst provozierten Skandal handeln? Immerhin: Auch schlechte News sind News.. Aber: PR-Aktionen auf dem Rücken eines Kindes austragen? Muss das wirklich sein?!

Mittlerweile wurde das Bild von H&M entfernt und sich entschuldigt. „Da ist wohl jemand bald seinen Job los“, prognostiziert ein Jodel-Nutzer.

Zur Verteidigung des Modehauses könnte argumentiert werden, dass H&M in der Vergangenheit häufig mit farbigen Musikern zusammengearbeitet hat und auch bei den Models eine Vielfalt zeigt.

Der kanadische R&B-Künstler mit äthiopischer Abstammung, The Weeknd, hat bereits seine Zusammenarbeit mit der Marke gekündigt und twitterte: „Ich bin diesen Morgen geschockt und beschämt zu diesem Foto aufgewacht. Ich bin zutiefst beleidigt und werde in Zukunft nicht mehr mit H&M zusammenarbeiten“.

Twitter-User kritisierten den „Starboy“-Sänger, dass er vor dem Vorfall auch keine Probleme damit gehabt habe, dass der Kleidungshersteller einige seiner Waren durch Kinderarbeit in Entwicklungsländern fertigen lasse.

Auch der ehemalige Tennisstar Boris Becker äußerte auf Twitter seine Meinung: „Es hört nie auf… Wann beginnen wir, Farbe zu respektieren?“

Eins steht fest: Auch negative Schlagzeilen generieren Aufmerksamkeit. Aber ist das in diesem Fall wirklich verkaufsfördernd? Und ist es ethisch vertretbar, PR-Absichten über die Menschenwürde zu stellen? Wir finden nicht.

Egal, ob PR-Strategie, unbeabsichtigter Fauxpas oder böswillige Absicht: Das Werbefoto ging nach hinten los… Die Kunden sind beschämt und die Aktien von H&M sind seit der veröffentlichung des Bildes enorm eingebrochen.

Etwas Positives bringt der Skandal aber auch mit sich: Dadurch, dass  die Schlagzeile  aktuell in aller Munde ist, wird eine Debatte darüber angeregt und das Thema Rassismus reflektiert und diskutiert.

Ein Beitrag von Lisa Eimermacher und Nicole Schweitzer

Perspektivenwechsel 1, Perspektivenwechsel 2

Zu Besuch in der Jama’at un-Nur Gemeinde in Linden

In einem kleinen Hinterhof in der Dieckbornstraße 11 in Linden-Mitte, befindet sich die Moschee der Jama’at un-Nur Gemeinde (Gemeinschaft des Lichts). Hier haben wir einige Eindrücke für euch gesammelt:

Ein Beitrag von: Lisa Eimermacher, Nicole Schweitzer und Lennart Kühl

Perspektivenwechsel 1, Perspektivenwechsel 2

Zu Besuch in der Flüchtlingsunterkunft Lehrte/Nordstraße

Ein Interview mit dem somalischen Flüchtling Stefan.

Es begann mit einem Brand. 2010 musste das ehemalige Flüchtlingsheim in der Nordstraße in Lehrte abgerissen werden. Fünf Jahre später wurden auf dem gleichen Grundstück vier neue Wohngebäude errichtet. Auch das nächste große Malheur ließ nicht lange auf sich warten: Bei einem Unwetter kam es zu einem verheerenden Wasserschaden. Die Eröffnung, der neuen Flüchtlingsunterkunft verzögerte sich dadurch um zwei Monate. In der Zwischenzeit wurden die Geflüchteten in Sporthallen beherbergt.

Neben der Unterkunft in der Nordstraße gibt es derzeit noch ein weiteres Flüchtlingsheim in Lehrte. Dieses soll allerdings demnächst geschlossen und mit dem in der Nordstraße verbunden werden.

Hier leben derzeit ca. 62 Bewohner. Dort sind neben Flüchtlingen auch Obdachlose untergebracht. Die Bewohner kommen aus Krisengebieten wie dem Irak, dem Sudan, Somalia und Pakistan. In den Wohnungen, die entweder von Einzelpersonen oder Familien bewohnt werden, gibt es jeweils ein Bad und eine Kochnische.

Wir haben mit Stefan, einem Flüchtling aus Somalia gesprochen. Gemeinsam mit seiner Frau wohnt der 29-Jährige seit 18 Monaten in der Nordstraße. Im Dezember erwarten die beiden ihr erstes Kind. Das Paar freut sich auf einen Sohn.

In seiner Heimat hat Stefan Journalismus studiert. Allerdings konnte er wegen der Situation in Somalia nicht lange als Journalist arbeiten. Denn als Journalist lebt man in Kriegsgebieten in großer Gefahr. Deshalb absolvierte er zusätzlich eine Ausbildung als Automechaniker.

Für seine Zukunft wünscht sich Stefan, dass er eines Tages auch in Deutschland als Journalist arbeiten kann. Dafür besucht er einen Sprach- und Integrationskurs. Momentan ist die kleine Familie auf der Suche nach einer eigenen Wohnung. Denn eins steht fest: Sie möchten in Deutschland wohnen bleiben und sich ein neues Leben aufbauen.

Von Lisa Eimermacher, Nicole Schweitzer und Lennart Kühl