Ausgekotzt: Gender und Genderin

Liebe Leserin, lieber Leser,

…oh, jetzt habe ich direkt getan, was mich doch eigentlich so stört: ich schrieb genderkonform.

Nun dürfte ein kleines Licht in Ihrem Kopf angehen, das Sie sich fragen lässt: „Was meint er bloß?“. Verständlich. Erlauben Sie mir eine kurze, sachliche Erläuterung meiner Gedanken.

Wen interessiert eigentlich, ob „Kolleginnen“ vor „Kollegen“ steht oder nicht?! Wer hat in seinem Leben so viel Zeit, sich über „Herrschaften“ zu echauffieren und „Damen und Herren“ zu fordern?  Wer fühlt sich unterbewusst noch so massiv unterdrückt oder ist mittlerweile derart weichgespült von dieser Emanzenkampagne, dass ER mit erhobenem Betroffenheitsfinger eine Schimpftirade auf Leute loslassen muss, denen das alles egal ist? Und das alles immer dann, wenn es darum geht den Frauenanteil in der deutschen Sprache nicht bis ins lächerliche hochzuschrauben.

Nur weil es zunehmend Anklang findet „genderkonform“ (im Übrigen mein Unwort der letzten Jahre) zu formulieren, ist es noch lange kein Naturgesetz, dessen Bruch mit dem Tode (vorzüglich in Blickform) bestraft werden müsste. Leider finden sich Menschen, die solche momentan etablierten, gesellschaftlichen Konventionen überbewerten und sie zur Maxime einer ganzen Generation, ach was sage ich, eines ganzen Millenniums, erheben, dieser Tage zuhauf. Seien es nun einerseits Überbleibsel einer Ära von Geknechteten, Entmündigten oder Vernachlässigten: in Form von Frauen. Oder andererseits heutzutage Unterdrückte, Rügenflüchtige oder, ich möchte fast sagen, Rhetorikkastrierte: in Form von Männern.

Im Grunde also bloß: die armen, missverstandenen Gutmenschen unserer Zeit. Bullshit!

Die Böse Anti-Frauen-Keule

„Aha, ein Frauenfeind!“, mögen nun sämtliche Emanzenschweinehunde Ihres Inneren im Chor aufheulen. Zurecht, ein solcher Angriff von männlicher Seite würde mir als selbstbewusste Frau des 21. Jahrhunderts auch schwer aufstoßen. Aber da steckt etwas mehr hinter, als Frau glauben mag.

Paradoxerweise hat für mich das Thema recht wenig mit realen Frauen zu tun. Vielmehr geht es um das Bild, welches von führenden Damen aus Politik, Wirtschaft und Verband in den letzten Jahren skizziert, aber nicht ganz zu Ende gedacht wurde. Unbestreitbar ist, dass Frauen der heutigen Zeit ihre Rechte brauchen, um sich verwirklichen und um im Konkurrenzkampf mit den Männern mithalten zu können. Zugegeben, besonders leicht hatte es keine Frau in der Geschichte, aber darum geht es nicht. Es geht um heute!

Dass Streben nach Rechtegleichheit auch bedeutet, die gleichen Hürden, wie die Herren der Schöpfung nehmen zu müssen, wird dabei gern ausblendet. Dies ist einem Model geschuldet, welches ich hier ganz keck unter dem Namen „Genderopportunismus“ einführen möchte. Generell wollen Frauen mal wieder, was die Männer schon längst haben, nur, dass es diesmal mit „einmal abbeißen“ nicht getan ist. Genderopportunismus bildet dabei jedoch keinen ausschließlich weiblich bezogenen Begriff! Vielmehr beschreibt er den Willen eines Geschlechtes mit dem anderen gleichauf, bzw. bevorteilter zu sein. Die üblichen kleinen Machtspielchen zwischen Mann und Frau eben. Im Grunde kein Drama, nur bei Eingriffen in die Sprachfreiheit geht es mir zu weit!

Die Zukunft der Geschlechterfrage?!

Lässt man sich also in das eiserne Korsett pseudo-solidarischen Gewäschs stecken, und zieht auch noch ein unauffälliges Kleidchen an, um seine Erscheinung seiner Einstellung anzupassen? Oder zeigt man dieser sozialen Mode von vorn herein den Mittelfinger und sagt: „Nein, da mach ich nicht mit!“? Oder, dritte Möglichkeit, hat man überhaupt keine Stellung und kneift den Schwanz ein, wenn man nach seiner eigenen Meinung gefragt wird und stellt somit die feige, kleine Grauzone dieser Diskussion dar? Diskutabel, nicht?

Wer bis hier gelesen hat, und nicht vor Wut oder aufgrund kritischer Selbsterkenntnis den PC versucht hat zu kastrieren, dürfte einiges erkennen:

Erstens welche der drei Stellungen ich wohl präferieren würde. Und zweitens, dass ein Aufstand nicht viel ändert. Natürlich kann man sich über den gemeinen Ich-scheiß-auf-Genderkonformität-Menschen ärgern, sofern es hilft nicht Amok zu laufen. Aber solange es Leute gibt, die keine Kritik akzeptieren und sofort auf die Barrikaden gehen, ja am besten noch  „Diskriminierung“ schreien, wird  die vollends emanzipierte Gesellschaft wohl auch weiterhin nur eine romantische Karikatur der Frau auf dem Pferd im Kampf gegen männliche Windmühlen bleiben!

Von Dennis Schmitt

 

[ssba]