Auf den Spuren von Sokrates und Platon

Wer mit dem Flugzeug nach Athen reist, sollte in jedem Fall einen Fensterplatz reservieren. Der Landeanflug ist nicht nur von Ägäis und ihre vielen kleinen Inseln geschmückt. Auch hohe Berge und ein Meer aus weißen Häusern verschönern die Aussicht. Doch was kann der Tourist eigentlich machen, wenn er gelandet ist? Interact nimmt euch für einen Tag mit nach Athen.

Vormittags:

Gut gesättigt nach einem anständigen Frühstück solltet ihr gleich früh morgens aufbrechen und auf Wanderschaft gehen. Zieht feste Schuhe an, ihr werdet sie brauchen. Mitten in Athen liegt der 115 Meter hohe Areopag, der Felsen, auf dem in der Antike der oberste Rat tagte und der oberste Apostel Paul vor 2.000 Jahren predigte. Vom Areopag hat man eine wunderbare Aussicht auf Athen und man kann sich lebhaft vorstellen, wie hier vor Jahrtausenden Urteile gefällt wurden.

Südöstlich des Areopags liegt fußläufig die Akropolis. Für EU-Studenten ist der Eintritt in sämtliche Athener Sehenswürdigkeiten mit gültigem Studentenausweis gratis, so auch der Eintritt zur Akropolis. Für Nicht-Studenten kostet das Ticket 20 Euro.

Als Athen 1834 die Hauptstadt von Griechenland wurde, lebten die meisten der damals 5.000 Bewohner direkt auf der Akropolis zwischen den Tempelruinen. Heute leben hier nur noch einige Katzen. Die ehemalige Stadtfestung ist heute als touristische Sehenswürdigkeit bekannt und seit 1986 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Festes Schuhwerk und rutschfeste Sohlen sind sehr zu empfehlen, denn die alten Steine können sehr rutschig sein.

Von der Akropolis aus hat meinen einen Ausblick auf das alte Odeon, das Dionysos-Theater und alte Höhlen. Auch oben lohnt sich ein Rundgang, denn auch hier verbergen sich viele interessante Sehenswürdigkeiten, wie das Parthenon, der Nike-Tempel oder auch der Roma-/Augustus-Tempel. Es gibt die Möglichkeit, sich einen persönlichen Reiseführer zu buchen. Diese stehen vor dem Eingang und zeigen euch für 100 Euro (Stand Mai 2016) alle Tempel und Ruinen, die ihr besichtigen wollt. Die Reiseführer müssen drei Jahre studiert haben, um dort führen zu dürfen, und sprechen in der Regel mehrere Sprachen. Wer also sehr an Geschichte und Hintergründen interessiert ist, wird hier seine Antworten finden.

Mittags:

Zur Mittagszeit wird es auf der Akropolis sehr voll und in den Sommermonaten auch sehr heiß, sodass man sich am besten Richtung Plaka bewegt, der Altstadt Athens. Rund um den Monastiràki-Platz liegen idyllische enge Gassen durch die ihr schlendern und zahlreiche Cafés oder Restaurants in denen ihr euch stärken könnt.

Nachmittags:

Nach der Verschnaufpause könnte man nachmittags zum Syntagma-Platz aufbrechen. Der Platz der Verfassung ist der zentralste und wichtigste Platz Athens. Dort finden nicht nur regelmäßig Veranstaltungen statt, wie der Weihnachtsmarkt oder die Parade der ehemaligen königlichen Garde. Der Platz ist auch aus den Nachrichten bekannt, da hier die großen Krawalle und Demonstrationen zur Finanzkrise stattfanden. Direkt gegenüber befindet sich das Parlamentsgebäude, an dem zu jeder vollen Stunde eine zeremonielle Wachablösung der Garde stattfindet.

Östlich von hier liegt fußläufig das Viertel Kolonáki. Es ist die Flaniermeile Athens, hier treffen sich die „Schönen und Reichen“. Noble Boutiquen, Galerien, Juweliergeschäfte und zahlreiche Cafés und Restaurants schmücken das Viertel. Ein Besuch lohnt sich. Während man an der Plaka die Armut Griechenlands erkennen konnte, sieht man hier das extreme Gegenteil.

Abends:

Zum Ausklang eines langen Tages sollte man unbedingt wieder Richtung Plaka fahren. Hier gibt es zahlreiche nette Restaurants und Ouzerien. Aber Vorsicht: Wenn ihr anständig essen gehen wollt, geht aus der Touristenzone raus. Gewisse Restaurants haben sich auf Touristenabzocke spezialisiert. Besonders hilfreich ist es, Einheimische nach einem Geheimtipp zu fragen. So konnten wir das „Stou Meidani“ entdecken. Hier gibt es viele leckere Gerichte. Auf der Karte hören sich die meisten Gerichte an wie Vorspeisen, aber das täuscht. Also nicht zu viel bestellen, auch wenn die günstigen Preise verlockend sind.

Die Besitzerin hilft in ihrer natürlichen Herzlichkeit gerne, also lasst euch ruhig die Gerichte erklären und vertraut ihrem Tipp.

Fazit:

Aus rein touristischer Perspektive hat Athen nicht allzu viel zu bieten, denn ihr seid tatsächlich an einem Tag locker mit allem durch. Aber als Städtetour lohnt es sich durchaus. Es ist alles zentral gelegen und somit fußläufig erreichbar. Geht man ein Stückchen aus der Touristenlandschaft raus, wird die Armut jedoch sichtbar. Nehmt euch Zeit, die Stadt und die Menschen zu beobachten, und kommt mit ihnen ins Gespräch. Die unterschiedlichen Eindrücke, die man dann gewinnen kann, sind unbezahlbar. Aber Vorsicht vor zu viel Ouzo. Jamas!



Von Jessica Preuss

[ssba]