Auch Original ist genial 

Ob Amazon, Netflix oder Kino –  Filme und Serien in der Originalversion zu schauen ist längst normal. Doch viele Bücherwürmer und Sprachliebhaber lesen auch auf Englisch. Bestes Beispiel ist die Harry Potter-Reihe, die in Deutschland auch im Original begeisterte. Aber auch in anderen Genres hat sich einiges getan. 

Neun Jahre sind seit dem letzten Harry Potter-Roman vergangen, nun erschien Teil acht. Schon vor dem Erscheinungsdatum dominierte „Harry Potter and the Cursed Child“ die Beststellerlisten in Deutschland – als Theaterskript und auf Englisch. Ein Teil des Phänomens um den Jungen, der überlebte oder steigendes Interesse an englischer Literatur?

„Gerade Fans von Autoren und Buchreihen wollen nicht warten, bis das Buch auf Deutsch erscheint und shoppen auch in Originalsprache“, verrät Anna Broermann, Pressesprecherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Knapp ein Viertel der importierten Bücher stamme aus Großbritannien – allein 2014 seien Bücher im Wert von 174 Millionen Euro aus England und 39 Millionen Euro aus den USA importiert worden. Erfolgreiche Bestseller wie die „Tribute von Panem“ oder „Shades of Grey“ seien auf Englisch sehr beliebt. Broermann ist überzeugt: „Das Interesse an Büchern im Original ist hierzulande in den letzten Jahren gestiegen.“

Buchhandlungen ohne eine Abteilung mit englischsprachiger Literatur wären auch für Martina Kempe undenkbar. Die Abteilungsleiterin für das Sortiment bei Hugendubel in Hannover kennt ihre Kunden. „Bei den englischen Büchern sind Krimis am beliebtesten“, erklärt sie. Dann würden Unterhaltungsromane, Science-Fiction, Klassiker und Sachbücher mit Politik und Geschichte sowie Biografien folgen. Vor allem das junge Publikum greife öfter zum Original. Laut Kempe sei das eine Frage der Sprachkenntnisse, denn bei älteren Menschen ginge beim Lesen in der Originalsprache oft etwas verloren. Alles zu verstehen, ohne jedes Wort nachschlagen und übersetzen zu müssen, erfordere Übung und sei anstrengend. „Da fehlt der Genuss, den man zum Abspannen mit einem Buch haben möchte.“

Rosemarie Szallies arbeitet seit 1988 in derselben Buchhandlung am Kröpcke. Sie stellt fest, dass neben jungem Publikum vor allem Touristen, Ansässige, englischsprechende Bürger und Menschen, welche die Sprache erlernen möchten, an englischer Literatur interessiert sind. Der deutsche Buchmarkt verändert sich also in Bezug auf die englische Sprache. Eine Begründung für den Erfolg des neuen Harry Potters? Das ist fraglich, denn ob auf Deutsch oder Englisch – die Welt von J.K. Rowling fasziniert in jeder Sprache.

Von Alicia Lippke

Foto: Sina Wietschorke

[ssba]